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Hinein damit! Fin Bartels (Mitte) knallt die feine Rückgabe von Claudio Pizarro (l.) ins Ingolstädter Tor. Es war der Siegtreffer für Werder.

Werder Bremen zittert sich zum 2:1-Sieg gegen Ingolstadt

Erzwungene Erleichterung

Bremen - Von Björn Knips. Die Erleichterung ist groß beim SV Werder nach dem Sieg gegen Ingolstadt. In Euphorie will aber niemand verfallen - zumal der Sieg eher glücklich war.

Als Fin Bartels vor die Presse trat, lief auf dem Fernseher über ihm noch einmal sein Siegtreffer. Da schaute Werders Matchwinner beim so wichtigen 2:1 (1:0)-Heimerfolg gegen den FC Ingolstadt natürlich gerne hin, doch feiern lassen wollte er sich dafür nicht. „Dieses Tor war symbolisch für den Sieg. Wir haben alles reingelegt, um den Ball irgendwie über die Linie zu kriegen. Das war eine echte Gemeinschaftsleistung“, schwärmte der 29-Jährige.

Werder hatte die Erleichterung erzwungen. Und die war nach dem ersten Sieg seit fünf Spielen (vier Niederlagen, ein Remis) deutlich spürbar. Vor allem bei Trainer Alexander Nouri, der bei einer Niederlage um seinen Job hätte fürchten müssen. „Das war doch für alle sehr emotional“, wich Nouri ein wenig aus. Seine erste Reaktion nach dem erlösenden Schlusspfiff war da schon aufschlussreicher gewesen.

Erst machte er ganz dicke Backe und prustete sämtliche Luft aus seinem Körper raus. Dann fiel er in die Arme seiner Co-Trainer Florian Bruns und Markus Feldhoff. Und schließlich hob er auch noch Claudio Pizarro in die Luft. „Es wissen alle, dass sie diese drei Punkte heute mal genießen dürfen“, sagte der 37-Jährige. Dazu passte, dass am Sonntag nicht, wie sonst üblich, um 10 Uhr, sondern erst um 12 Uhr ausgelaufen wird. Der Abend durfte für die Sieger also etwas länger werden.

Kruse: "Von einem Befreiungsschlag zu sprechen, ist zu früh"

Direkt nach der Partie hatten die Werder-Profis aber noch so ihre Probleme mit der Feierlaune. „Ja, der Sieg tut gut. Aber wir werden jetzt nicht in Ekstase verfallen. Wir sind noch extrem unten drin“, urteilte Zlatko Junuzovic. Und Teamkollege Max Kruse meinte: „Nach einem Sieg von einem Befreiungsschlag zu sprechen, ist zu früh.“

Immerhin: Werder hat den Relegationsplatz an diesem Spieltag definitiv verlassen. Und ist ganz nebenbei als Tabellen-14. auch noch die Nummer eins im Norden, weil der VfL Wolfsburg (2:3 gegen Berlin) immer tiefer in die Krise schlittert und der Hamburger SV (Sonntag gegen Darmstadt) nun schon sieben Punkte zurückliegt. Normalerweise gibt es in solchen Momenten gleich entsprechende Fangesänge. Aber auch die 38.438 Zuschauer im nicht ausverkauften Weserstadion wollten nicht überdrehen – zumal der Sieg auch in die Kategorie glücklich gehörte.

Werder hatte mutig begonnen. Zumindest auf dem Spielberichtsbogen. Dort stand erstmals gemeinsam das Star-Quartett Philipp Bargfrede, Claudio Pizarro, Max Kruse und Serge Gnabry. Es fehlte Kapitän Clemens Fritz, aber nicht aus Leistungsgründen, sondern wegen einer Grippe. Für ihn gab Zlatko Junuzovic neben Bargfrede den zweiten Sechser. Die Bremer Offensivpower sorgte allerdings lange Zeit für wenig Gefahr, Kruse und Co. blieben in guten Ansätzen stecken.

Es ging nicht um Persönliches, sondern um das große Ganze

Ingolstadt war der Führung da wesentlich näher. So hätte es schon nach vier Minuten Strafstoß für die Schanzer geben können, als Werder-Keeper Jaroslav Drobny erst sein Knie in den Rücken von Mathew Leckie bohrte, bevor er sich die Kugel schnappte (5.). Schiedsrichter Tobias Stieler ließ weiterspielen. In der 21. Minute parierte Drobny dann stark nach einem Kopfball von Anthony Jung.

Die Gäste wurden immer sicherer – bis ihr Ex-Kollege Robert Bauer einen feinen langen Ball auf Bartels schlug. Der drosch die Kugel nach kurzem Blick in die Mitte direkt von der rechten Seite auf den kurzen Pfosten, wo Kruse perfekt mit dem linken Fuß abschloss (24.). Ein super Tor – und dazu auch noch das erste für Kruse im Werder-Trikot. „Natürlich war das ein spezieller Moment für mich“, gestand der 28-Jährige, fügte aber sofort an: „Weil es das 1:0 war.“ Es ging an diesem Nachmittag eben nicht um Persönliches, sondern um das große Ganze – also um Werder. Irgendwie mussten diese drei Punkte im Duell mit dem Tabellenvorletzten einfach her.

Und wie schwierig so etwas den Bremern in der aktuellen Verfassung fällt, zeigte die zweite Halbzeit. Die Führung gab keine Sicherheit. Und als Markus Suttner einen Freistoß aus 23 Metern – alles andere als unhaltbar für Drobny – zum 1:1 versenkte, wurden die Bremer Beine immer zittriger. Nur bei Bartels nicht. Erst zielte er nach einem feinen Solo nur knapp vorbei (60.), dann jagte er die Kugel zum erlösenden 2:1 aus fünf Metern in die Maschen (75.). Der eingewechselte Izet Hajrovic war zuvor an FCI-Keeper Martin Hansen gescheitert, genauso wie direkt danach Claudio Pizarro, der den Abpraller aber geistesgegenwärtig zu Bartels spitzelte. Riesenjubel im Weserstadion.

Nouri über Hajrovic: "Sieht nach einer schweren Verletzung aus"

Doch der hielt nicht lange an. Denn Ingolstadt drängte sofort auf den Ausgleich, den Marvin Matip (78.) und Almog Cohen (83.) jedoch vergaben. Dann drückte die schwere Verletzung von Hajrovic auf die Stimmung. Der Bosnier hatte sich ohne Fremdeinwirken das Knie verdreht und musste mit der Trage in die Kabine gebracht werden (89.). „Es sieht nach einer schweren Verletzung aus“, teilte Nouri später mit.

Ingolstadt machte nach der kurzen Zwangspause gleich weiter Druck und hätte ausgleichen müssen. „Es gab Phasen, da sind wir ganz schön geschwommen“, seufzte Junuzovic und meinte damit auch die Schlussphase. Doch Leckie zielte nach dickem Bauer-Patzer vorbei (90.), und Moritz Hartmann scheiterte an Drobny (90.+2). Dann war Schluss und Werders schmutziger Sieg perfekt. „Unser Potenzial ist enorm“, urteilte Junuzovic: „Aber das müssen wir auch ausschöpfen.“ Am besten schon am Samstag (18.30 Uhr) in Berlin.

Bartels hält Werder am Leben

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