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Erst scheiterte Claudio Pizarro an FCI-Schlussmann Martin Hansen, dann legte der Peruaner den Abpraller mustergütlig zum 2:1-Siegertreffer von Fin Bartels auf.

Taktikanalyse zum Spiel gegen FC Ingolstadt

Bremer Effizienz entscheidet Kellerduell

Bremen - Von Cedric Voigt. Werder fuhr im Abstiegsduell gegen Ingolstadt einen wichtigen Dreier ein. Die Grün-Weißen zeigten sich vor dem Tor kaltschnäuziger als in den Spielen zuvor. In der Defensive schwächelte Bremen weiterhin. Die Taktikanalyse.

Im Weserstadion gelang es Alexander Nouri gegen die in dieser Saison schwachen, zuletzt unter dem neuen Trainer Maik Walpurgis jedoch verbesserten FC Ingolstadt die eigene Serie von fünf sieglosen Spielen zu beenden. In einer hektischen Partie zeigten sich auf Bremer Seite sowohl leichte Verbesserungen als auch altbekannte Probleme. Die Startformation der Bremer las sich im Vergleich zum Nordderby deutlich verändert.

Lamine Sane meldete sich wieder fit für die Startelf und nahm den Platz neben Niklas Moisander ein, Philipp Bargfrede spielte zum ersten Mal in dieser Saison von Beginn an und bildete mit Zlatko Junuzovic gemeinsam eine laufstarke Doppelsechs, während Thanos Petsos und der erkältete Kapitän Clemens Fritz es nicht in den Kader schafften. Auf Junuzovics Zehnerposition rutschte Max Kruse, der diese sehr frei als hängende Spitze interpretierte und sich oft auch auf den Außen beteiligte. Im Sturm diente Claudio Pizarro als Zielspieler mit Spielmacherqualitäten.

Zwei Mannschaften mit dem gleichen System

Gegen das Bremer 4-2-3-1 schickte auch Maik Walpurgis auf der Gegenseite ein recht klassisches 4-2-3-1 ins Rennen, in dem der linke Flügel mit Anthony Jung vor Markus Suttner nominell etwas defensiver besetzt schien als die Gegenseite mit dem schnellen Mathew Leckie als Rechtsaußen und Florent Hadergjonaj dahinter. In der Praxis ließ sich jedoch nicht erkennen, dass die Ingolstädter sich damit an die Bremer Spielweise anpassen oder die eigenen Stärken auf eine besondere Art und Weise nutzen wollten – das Spiel der Gäste blieb in der ersten Hälfte weitestgehend simpel und berechenbar.

Werder rückte im Angriff nicht zu riskant auf und ging nach Ballverlust konsequent genug ins Gegenpressing, um den individuell unter Druck nicht sonderlich souveränen Ingolstädtern das Konterspiel zu erschweren. Zudem plagen die Schanzer ähnliche Probleme im Ballbesitz wie die Bremer – Almog Cohen und Roger auf der Doppelsechs gehören nicht zu den kreativsten und handlungsschnellsten Passgebern der Liga, Spielmacher Pascal Groß wurde beim Zurückfallen meist mannorientiert von einem Bremer Sechser verfolgt und in seinen Kreisen eingeschränkt, sodass nach vorne oft nur der lange Ball entlang der Flügel auf die schnellen Außenspieler oder das hohe Zuspiel in die Spitze auf Moritz Hartmann blieb.

Ingolstädter in der ersten Hälfte harmlos

Insgesamt waren die Gäste damit zumeist harmlos und konnten von den Bremer Verteidigern oft auf den Flügeln isoliert werden. Auf Bremer Seite sah das Offensivspiel nicht unbedingt besser aus – in der Tat bot man selbst oft nicht weniger Hauruck-Fußball, spielte seine Konter etwas unpräzise aus und versuchte, das Mittelfeld schnell zu überbrücken. Tatsächlich erkannte man jedoch im Aufbauspiel eine interessantere Aufteilung als auf Seiten der Ingolstädter, die auch mit den unterschiedlichen Pressingstilen der Teams zusammenhing.

Während Werder zunächst abwartender darauf bedacht war, die Stabilität in der Formation zu halten, die Innenverteidiger der Gäste bisweilen freiließ und lediglich den Ingolstädter Zehner konsequenter unter Druck setzte, pressten die Ingolstädter deutlich aggressiver in einem 4-4-2/4-1-3-2, indem Pascal Groß und Moritz Hartmann früh Moisander und Sane anliefen, offenbar in der Hoffnung, einen Rückpass auf den zuletzt unsicheren Jaroslav Drobny zu provozieren.

Um die Mitte durch das Herausrücken von Zehner Groß nicht zu sehr zu öffnen, stieß zudem Roger bisweilen von der Sechserposition etwas vor. Werder reagierte darauf mit der altbewährten Aufbaudreierkette: Philipp Bargfrede ließ sich häufig zwischen die beiden Innenverteidiger fallen, sodass die beiden Ingolstädter Pressingspitzen stets einen Bremer frei lassen mussten. Zeitgleich rückten die Außenverteidiger etwas weiter auf, während die Außenspieler Gnabry und Bartels wie zusätzliche Achter auf Höhe des verbliebenen Sechsers Junuzovic einrückten.

Langer Ball leitet Führungstreffer ein

Diese Bewegungen der Bremer Flügelspieler öffneten bisweilen neue Passwege, während sie die Ingolstädter Verteidiger vor die Entscheidung stellten, ob sie nah am Mann bleiben oder ihre Position in der Kette halten sollten. Auch die zurückfallenden und ausweichenden Bewegungen von Claudio Pizarro und Max Kruse zogen die Ingolstädter Ordnung auseinander. Dies hätte man zwar konsequenter ausnutzen können, zumindest trug es aber zum ersten Bremer Treffer bei:

Nach einem langen Ball aus der Abwehr zog Pizarro Marcel Tisserand aus der Ingolstädter Innenverteidigung und legte auf Robert Bauer ab. Dieser konnte den nachstoßenden Fin Bartels bedienen, dessen Hereingabe Max Kruse ungedeckt zum 1:0 abschloss, während ein Ingolstädter Innenverteidiger fehlte und mit Marvin Matip der andere vergeblich versuchte, den Weg ins Zentrum zuzustellen.

Max Kruse erzielte gegen FC Ingolstadt den 1:0-Führungstreffer. Zudem war es sein erster Saisontreffer für Werder.

In der zweiten Hälfte agierten die Gäste etwas offensiver, rückten im Angriff konsequenter auf, ließen die eigenen Sechser den Bremer Ballbesitz früher attackieren und brachten mit Dario Lezcano einen unangenehmen, vielseitigen Mittelstürmer für den eher spielschwachen Linksaußen Anthony Jung, dessen Platz im System der bisherige Mittelstürmer Moritz Hartmann einnahm. Ingolstadt konnte sich nun in der Hälfte etwas passiverer, die sich ergebenden Räume nicht konsequent nutzender Bremer festsetzen, blieben in ihren Kombinationen jedoch unpräzise und ineffektiv und benötigten einen direkten Freistoß, um in der 58. Spielminute zum Ausgleich zu kommen.

Werder zittert sich zum dritten Saisonsieg

Alexander Nouri reagierte eine Viertelstunde vor Schluss auf das weiterhin unruhige Spiel mit viel Druck der Ingolstädter und viel Raum für Bremer, indem er Izet Hajrovic für Max Kruse einwechselte. Dies zahlte sich direkt aus, als ein Distanzschuss des Bosniers nach einem der wenigen bis in die letzte Station präzise ausgespielten Gegenstöße vom Ingolstädter Torwart nicht festgehalten werden konnte.

Fin Bartels verwandelte schließlich den zweiten Abpraller. In der Schlussphase brachte Werder mit Milos Veljkovic und Theodor Gebre Selassie für Serge Gnabry und den verletzten Hajrovic zwei weitere Defensive, wodurch zum Schluss ein wenig die Entlastung fehlte, aber genug Bremer die Defensive stärkten, um nicht ohne Hilfe von Torwart Jaroslav Drobny den Sieg über die Zeit zu zittern.

Bargfrede verstärkt Bremer Defensive

Endlich wieder drei Punkte für Werder – die auch nötig waren, um sich im Abstiegskampf etwas Luft zu verschaffen. Die Rückkehr Philipp Bargfredes in die Bremer Stammformation schien den Grün-Weißen etwas mehr defensive Stabilität zu geben, zumal auch Zlatko Junuzovic seine defensivere Rolle gut annahm. Gefahr strahlten die Gäste aus Ingolstadt fast ausschließlich bei Standards aus.

Die nüchternen Einschätzungen nach der Partie zeigten jedoch auch, dass man sich innerhalb der Mannschaft durchaus bewusst ist, dass man noch weit von einer guten Leistung entfernt war und weiter Probleme hatte, den hektischen Rhythmus der Partie zu beruhigen und im eigenen Ballbesitz aus der defensiven Zentrale heraus zu kontrollieren. Gerade in der zweiten Halbzeit konnte es nicht nach dem Geschmack des Trainerteams gewesen sein, dass der individuell sicher nicht herausragend besetzte Gast aus Ingolstadt sich gleichwertige Chancen und sogar einen leichten Ballbesitzvorteil erspielen konnte.

Starker Sane und Matchwinner Bartels

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