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Florian Kainz schoss das siegbringende 2:1 für den SV Werder gegen Hamburg.

Derby-Sieg gegen den HSV

Kainz! Und Werder singt und lacht!

Bremen - Es war intensiv, es war packend, teilweise sogar fußballerisch anspruchsvoll - und für Werder war es auch noch erfolgreich! Mit 2:1 (1:1) hat sich die Mannschaft von Trainer Alexander Nouri am Ostersonntag im Nordderby gegen den Hamburger SV behauptet und darf nun plötzlich sogar in Richtung Europa-League-Plätze schielen.

Klingt verrückt, ist aber so! Seit nunmehr neun Spielen (!) sind die Bremer unbesiegt, 23 Zähler haben sie in dieser Zeit verbucht. Und dass der SVW inzwischen auch mit Rückschlägen richtig gut umgehen kann, bewies er gegen den HSV einmal mehr. Zum Derbyhelden wurde am Ende Joker Florian Kainz, dem der Siegtreffer gelang. Ein Osterfest wie gemalt für alle, die es mit den Grün-Weißen halten.

Wie im Vorfeld erwartet, kehrte Abwehrchef Lamine Sane nach auskurierten Adduktorenproblemen in Werders Startelf zurück und agierte im Zentrum der Dreierkette. Auf der linken Außenbahn verteidigte erneut Santiago Garcia, was durchaus eine kleine Überraschung war - schließlich hatten nicht wenige Werder-Fans mit der Rückkehr des wieder genesenen Robert Bauer in der Anfangsformation gerechnet. Der 22-Jährige hatte sich am Tag vor dem Nordderby nach seinem Außenbandriss im Sprunggelenk wieder fit gemeldet, nahm aber zunächst auf der Bank Platz. Dort saßen auch Serge Gnabry und Philipp Bargfrede, der erstmals im Jahr 2017 wieder in Werders Bundesliga-Kader stand und in der Schlussphase sogar seine Rückkehr auf den Platz feierte (90.).

Einzelkritik: Kruses Konter eine Augenweide

Das Spiel begann mehr als turbulent. Es hatten noch nicht mal alle Zuschauer im ausverkauften Weserstadion Platz genommen, da hätte Max Kruse Werder beinahe schon in Führung gebracht. Exakt 38 Sekunden war das Nordderby alt, als es die erste richtig dicke Chance gab: Nach einer scharfen Hereingabe von Florian Grillitsch nahm Kruse den Ball im Strafraum mit seinem schwächeren rechten Fuß direkt - und zwang HSV-Torhüter Christian Mathenia zu einer spektakulären Glanztat (1.). Keine Frage: Die Gastgeber wollten früh klar machen, wer der Herr im Hause ist, doch nur kurz nach dem starken Auftakt gab es auf der anderen Seite die ganz kalte Dusche.

Ex-Bremer Dennis Diekmeier bediente Ex-Bremer Aaron Hunt auf der linken Außenbahn, und dessen Flanke mit dem schwächeren rechten Fuß fand in Michael Gregoritsch einen dankbaren Abnehmer. Per Kopf bugsierte der groß gewachsene Angreifer die Kugel in seinem 50. Bundesligaspiel zum 1:0 für den HSV ins Tor (6.). Werder-Verteidiger Milos Veljkovic hatte ihn laufen lassen. Kurios: Gregoritsch hatte bereits beim 2:2 im Hinspiel beide Hamburger Treffer erzielt. Großen Anteil am Tor trug aber auch Vorlagengeber Hunt, mit dem Werder im ersten Durchgang Probleme hatte. So hatte es Zlatko Junuzovic nicht geschafft, seinen alten Teamkollegen am Flanken zu hindern. Für Hunt war es übrigens die erste Rückkehr ins Weserstadion nach seinem Weggang aus Bremen. Vor Spielbeginn und bei jedem Ballkontakt wurde der 30-Jährige ausgepfiffen.

Werder vergibt beste Chancen in rassigem Derby

Werder benötigte in der Folge einige Minuten, um sich vom frühen Rückstand zu erholen - und beinahe wäre es sogar noch dicker für die Grün-Weißen gekommen. So musste Torhüter Felix Wiedwald in der 16. Minute in höchster Not gegen Filip Kostic retten: Wiedwald kam aus seinem Tor, bewahrte die Ruhe - und blieb Sieger. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war es ein äußerst rassiges Derby, beide Mannschaften agierten mit hoher Intensität und investierten sehr viel. Werders nächste dicke Chance bot sich Grillitsch, der nach einer Kruse-Flanke im Strafraum aus der Drehung abschloss, sein Ziel aber knapp verfehlte (18.).

Auch Zlatko Junuzovic hatte kurz darauf Pech: Sein schön über die Mauer gezirkelter Freistoß flog eben nicht ins Netz, sondern klatschte lautstark an den Pfosten (22.). Der Ausgleich wäre inzwischen mehr als verdient gewesen. Ärgerlich für Werder: In der 32. Minute sah Junuzovic nach Foul an Lewis Holtby seine 5. Gelbe Karte. Somit ist der Österreicher für das kommende Auswärtsspiel beim FC Ingolstadt gesperrt. Werder suchte vor der Pause zwar nicht die totale Offensive, der Mannschaft von Trainer Alexander Nouri war allerdings anzumerken, dass sie nicht mit einem Rückstand in die Kabine gehen wollte. Und das musste sie dann auch nicht!

Vier Minuten vor Ende der ersten Hälfte schlug Santiago Garcia eine punktgenaue Flanke auf Fin Bartels, der den Ball am langen Pfosten wiederum direkt in die Mitte zu Kruse bugsierte. Werders Stürmer tat das, was er tun musste: Er hielt seinen Kopf hin und überwand Mathenia aus kurzer Distanz - 1:1. Im Weserstadion brandete großer Jubel auf, wenig später war Halbzeit.

Der Ausgleich - er schien Werder gut getan zu haben, denn auch zu Beginn des zweiten Durchgangs war die Nouri-Elf zunächst besser im Spiel. So hätte Grillitsch für das schnelle 2:1 sorgen können, fand aber mit einem Schuss in Mathenia seinen Meister (53.). Zuvor hatten Junuzovic und Passgeber Theodor Gebre Selassie die Chance stark eingeleitet.

Joker Kainz sticht - der Rest ist Jubel

Aber auch die Hamburger sendeten kurz darauf ihr nächstes Lebenszeichen: Der aufgerückte Linksverteidiger Matthias Ostrzolek verlor ein Eins-gegen-Eins-Duell gegen Wiedwald, der zur Ecke klärte (56.). Eine unschöne Szene gab es dann in der 70. Minute: Nach einem Schlag ins Gesicht von Diekmeier im Laufduell gegen Garcia war die Partie für Werders Verteidiger verletzungsbedingt beendet. Für ihn kam Robert Bauer ins Spiel. Und Werders Reaktion? Die hatte es in sich!

Wenige Augenblicke später hatte Kruse das Auge für den eingewechseltenFlorian Kainz, der mit einem harten Flachschuss mit links zum Bremer 2:1 traf (75.). HSV-Torhüter Mathenia sah dabei gar nicht gut aus, der Ball schlug im kurzen Eck ein. Den Werder-Fans war das freilich vollkommen egal: Plötzlich war es wieder laut, es war ausgelassen, euphorisch! Mit einem Derbysieg Big Points im Abstiegskampf verbuchen - der Traum war auf einmal zum Greifen nahe! Die Grün-Weißen mussten dann noch eine fünfminütige Nachspielzeit überstehen, der Rest war Jubel!

Riesenjubel! Kruse und Kainz drehen das Derby

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