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Der Mann des Abends lässt sich feiern: Mit einem lupenreinen Hattrick führte Max Kruse Werder zum 4:0-Erfolg gegen Hannover 96.

Kruse schießt Werder zum ersten Saisonsieg

Max, das Monument

Bremen - Da stand er also. Für einen kurzen Moment ganz still. Die Arme weit ausgebreitet, ansonsten keine Regung. Ein Mann wie ein Monument. Max Kruse genoss die Begeisterung auf den Rängen, die Begeisterung auch seiner Mitspieler.

Mit seinem dritten Tor an diesem Abend hatte Kruse gegen Hannover 96 nicht nur einen blitzsauberen Hattrick (54., 59. 78.) perfekt gemacht, sondern auch einen Sieg eingetütet, den Werder Bremen lange, lange herbeigesehnt hat. Nun endlich war es gelungen. 4:0 (1:0) über Hannover 96 – Kruse und Co. fegten die 14 Punktspiele andauernde Sieglosserie einfach weg. Und bescherten ihrem neuen Trainer Florian Kohfeldt ein perfektes Debüt im Weserstadion.

An gleicher Stelle war die Mannschaft drei Wochen zuvor noch mit Häme und Spott, mit Schimpf und Schande von den eigenen Fans verabschiedet worden. Das 0:3 gegen den FC Augsburg war ein fußballerischer Offenbarungseid gewesen, danach musste Trainer Alexander Nouri gehen, Kohfeldt kam.

Einzelkritik: Kruse überragend, Bartels endlich wieder in Form

Jiri Pavlenka
Jiri Pavlenka: Schon nach vier Minuten im Blickpunkt, aber sehr aufmerksam bei Maiers Schuss. Auch nach der Pause sofort hellwach und mit einer ganz wichtigen Glanztat gegen Harnik. Da hätte das Spiel kippen können. Note 1,5  © nordphoto
Theodor Gebre Selassie
Theodor Gebre Selassie: Nach 20 Minuten mit einem guten Versuch aus spitzem Winkel. Danach war der rechte Verteidiger nur noch selten zu sehen. Das Bremer Spiel war eben sehr linkslastig. Seine Abwehrarbeit verrichtete er aber sehr ordentlich. Note 3  © nordphoto
Milos Veljkovic
Milos Veljkovic: Bekam erneut den Vorzug vor Sane und bestätigte das Vertrauen mit einem unaufgeregten, sehr sicheren Auftritt. Bermerkenswerte 94 Prozent seiner Pässe kamen an. Note 2,5  © dpa
Niklas Moisander
Niklas Moisander (rechts): In der ersten Halbzeit ziemlich cool, aber dann: Direkt nach der Pause eröffnete seine Fehleinschätzung eines langen Balls Harnik die große Chance zum 1:1. Immerhin steckte der Finne diesen Fauxpas gut weg. Note 3  © Gumz (Archiv)
Ludwig Augustinsson
Ludwig Augustinsson: Nach der WM-Quali mit Rückenwind und anfangs viel Drang nach vorne. Riskierte aber nicht zu viel, hielt den offensiven Kollegen lieber den Rücken frei und bot sich dabei auch als Anspielstation an. Note 3  © Gumz
Philipp Bargfrede
Philipp Bargfrede (bis 70.): Staubsauger und Organisator vor der Abwehr. Sehr auffällig – auch mit mutigen Ausflügen nach vorne. Dazu ein echter Balldieb: Nahm Bakalorz die Kugel ab, um Kruse das 1:0 aufzulegen. Note 2  © dpa
Maximilian Eggestein
Maximilian Eggestein: Suchte immer die Räume im Mittelfeld, um eine Anspielstation zu sein. War dabei so viel unterwegs wie kein anderer Spieler auf dem Platz. Auch ohne große Szenen ein sehr wichtiger Faktor im Bremer Spiel. Note 2,5  © nordphoto
Thomas Delaney
Thomas Delaney: Der Mann mit der Sonderrolle. Mal Mittelfeldspieler, mal Stürmer – und dabei immer sehr engagiert. Nach seiner WM-Quali unter der Woche mit Dänemarkt musste Delaney am Ende beißen. Note 2,5  © dpa
Fin Bartels
Fin Bartels: Quirlig, wirbelig, aber zunächst unglücklich. Doch seine vergebene Riesenchance per Kopf (32.) war sieben Minuten später vergessen. Nach Kruse-Pass netzte er eiskalt zum 1:0 ein – und eingeleitet hatte er diese Chance mit einem Pass auf Kruse auch noch. Beim Vorlagengeber bedankte sich Bartels dann mit zwei Assists zum 3:0 und 4:0. Bartels ist wieder in Form. Note 1,5  © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Zlatko Junuzovic (bis 81.): Werders neuer Linksaußen. Hatte fast weiße Schuhe von der Außenlinie. Dabei überzeugte der Bremer Kapitän mit vielen guten Ideen und Hereingaben. Note 2,5  © nordphoto
Max Kruse
Max Kruse (bis 87.): Einfach überragend! Drei Tore, eine Vorarbeit – besser geht es nicht. Dazu ein echtes Vorbild in Sachen Führungsspieler. Einziger echter Stürmer auf dem Platz, aber quasi überall unterwegs, um die Kollegen in Szene zu setzen. Beim 1:0 von Bartels gelang ihm das als Vorlagengeber bestens. Aber Kruse kann auch selbst vollstrecken – und das ziemlich genial wie beim 2:0 (54.). Es war sein erstes Saisonstor. Und das zweite folgte sogleich (59.) mit einem guten Trick gegen Verteidiger Sane und etwas Glück gegen Torwart Esser. Genauso abgeklärt ließ er noch das 4:0 folgen. Note 1+  © Gumz
Jerome Gondorf
Jerome Gondorf (ab 70.): Kam für Bargfrede, übernahm aber den Job von Delaney, der auf die Sechs rückte. Note -  © nordphoto
Ishak Belfodil
Ishak Belfodil (ab 81.): Der Stürmer kam, als Werder mit dem Toreschießen schon fertig war. Note -  © Gumz (Archiv)
Florian Kainz
Florian Kainz (ab 87.): Durfte auch noch ein paar Minuten als Sieger auf dem Platz genießen. Note - © Gumz (Archiv)

Und es ist gewiss kein Zufall, dass die Bremer plötzlich wieder Fußball spielen. Gegen Hannover so gut, dass der erste Bundesliga-Sieg seit 204 Tagen dabei herauskam. „Absolut verdient“ sei der gewesen, sagte 96-Trainer Andre Breitenreiter, der vor der ganzen Bremer Mannschaft den Hut zog („sehr agil, sehr flexibel, im Umschaltspiel gnadenlos effektiv“), vor allem aber vor Max Kruse: „Er hat sich immer in den Zwischenräumen bewegt, wo wir ihn nicht packen konnten.“

Also tobte sich Kruse, der bis dato in der laufenden Saison noch torlos war, so richtig aus. Mit einem Zuckerpass durch die 96-Abwehr bereitete er das 1:0 durch Fin Bartels vor (38.), mit unfassbarer Selbstverständlichkeit vollstreckte er dann nach Zuspielen von Philipp Bargfrede (54.) sowie zweimal Bartels (59., 78.). „Max macht die Dinger halt rein. Er hat vor dem Tor brutale Qualitäten, die haben nicht viele“, lobte Mittelfeldmann Maximilian Eggestein den Kollegen.

Sportchef Frank Baumann atmet erleichtert auf

Dank Kruse und leichtfertiger Fehler in 96-Mittelfeld und -Abwehr schoss Werder in diesem einen Spiel genauso viele Tore wie in den elf Saisonpartien zuvor. Der Wandel ist gewaltig und wohl nur mit der Arbeit von Florian Kohfeldt zu erklären.

Sportchef Frank Baumann konnte auch deshalb erleichtert aufatmen. Er war für die Entscheidung, Kohfeldt vom U23-Coach zum Chef gemacht zu haben, gleich doppelt kritisiert worden. Zunächst für den Fakt an sich, dann dafür, dass er zugab, sich bei der Entscheidungsfindung auch mit „besseren Trainern“ befasst zu haben. Da ist es leicht vorstellbar, welcher Gegenwind ihm ins Gesicht geblasen wäre, wenn Werder gegen Hannover verloren hätte.

Max Kruse (v.l.), Maximilian Eggestein, Thomas Delaney und Fin Bartels bejubeln ersten Treffer gegen Hannover 96.

Es kam aber anders – weshalb Baumann am Montagabend bei der Mitgliederversammlung des SV Werder etwas entspannter an das Rednerpult treten kann. Die eigene Situation sei aber nicht der Grund, weshalb er sich unheimlich über den Sieg freue, so Baumann. Sondern? „Die Mannschaft. Gegen Augsburg war sie noch ohne Selbstvertrauen und Überzeugung aufgetreten. Das war heute komplett anders.“

Das wirkungsvolle Konzept kam noch dazu. Werder bewegte sich sicher auf dem Platz, meistens wusste jeder Bremer genau, was er zu tun hatte. Und mit dem 1:0 wuchs dann auch der Glaube an die eigene Stärke. Max Kruses Sicht der Dinge: „Wir haben heute alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Das gibt Hoffnung und Selbstbewusstsein.“

Zusammenspiel von Kruse und Bartels erinnert an die Rückrunde

Linksverteidiger Ludwig Augustinsson wertete das 4:0 als „Befreiung“, Maxi Eggestein „als eingeläutete Wende“. Aber ausnahmslos alle waren bemüht, dem Erfolg nicht zu viel Gewicht zu geben. „Wir wissen, dass das nur ein erster Schritt war“, meinte Fin Bartels. Speziell für ihn war es aber ein großer Schritt – zurück in die Zukunft und gewissermaßen auch in die Vergangenheit. Denn das Zusammenspiel zwischen Bartels und Kruse erinnerte sehr an die vergangene Rückrunde. Damals war das Duo der Garant für den sportlichen Aufschwung. Kruse kam auf 13 Tore und sieben Assists, Bartels auf fünf Tore und ebenfalls sieben Vorlagen. Oft lief es dabei so wie am Sonntag gegen Hannover: Vorlage der eine, Tor der andere. „Ich hoffe, dass das wieder der Startschuss war“, sagte Bartels.

Wer hofft das nicht? Florian Kohfeldt, schon in der Halbzeitpause von Stadionsprecher Christian Stoll für seine „Handschrift auf dem Platz“ gelobt, fühlte sich allerdings in der Pflicht, auf gewisse Dinge hinzuweisen. Beispielsweise darauf, dass das 4:0 „nicht kerzengerade“ gewesen sei, dass es Momente gegeben hat, in denen „alles hätte kippen können“. Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit war so ein Moment. Nach einem Fehler von Verteidiger Niklas Moisander stand 96-Kapitän und Ex-Werder-Stürmer Martin Harnik frei vor dem Bremer Tor, scheiterte aber an Keeper Jiri Pavlenka. Hätte Harnik getroffen, wäre aus Kohfeldts Handschrift möglicherweise Gekritzel geworden.

Fotostrecke: Gegen Hannover platzt der Knoten - und wie!

Werder Bremen gegen Hannover 96
Die Werder-Fans mit dem Motto für die Partie gegen 96: Alles geben. © nordphoto
Werder Bremen gegen Hannover 96
Und auch die Mannschaft schwor sich im Bremer Regen auf die Partie ein. © nordphoto
Werder Bremen gegen Hannover 96
In der 11. Minute kam Maximilian Eggestein vielversprechend vors Tor, wurde von Salif Sane aber im Strafraum gestoppt. © nordphoto
Werder Bremen gegen Hannover 96
Theodor Gebre Selassie steuerte in der 20. Minute eine Torchance bei, Maximilian Eggestein hatte beim Nachschuss aber auch kein Glück. © nordphoto
Werder Bremen gegen Hannover 96
In der 32. Minute kam Fin Bartels mit dem Kopf an eine Flanke von Zlatko Junuzovic, der Ball ging weit am Tor vorbei. © nordphoto
Werder Bremen gegen Hannover 96
Schließlich war es auch Bartels, der Werder in der 39. Minute in Führung brachte - 1:0 zur Halbzeit für die Grün-Weißen! © Gumz
Werder Bremen gegen Hannover 96
Zehn Minuten war die zweite Hälfte alt, als Philipp Bargfrede perfekt für Max Kruse auflegte. Der verwandelte souverän zum 2:0 (55.). © nordphoto
Werder Bremen gegen Hannover 96
In der 59. Minute klingelte es wieder im Hannoveraner Kasten und wieder war es Kruse. Mit etwas Glück erhöhte der Stürmer auf 3:0 für Werder. © Gumz
Werder Bremen gegen Hannover 96
Am Ende gingen drei Tore aufs Kruses Konto, der Bremer traf in der 78. Minute zum 4:0 Endstand für die Grün-Weißen. © nordphoto
Werder Bremen gegen Hannover 96
Kruses kongenialer Partner: Bartels schoss ein Tor und lieferte dem Werder Stürmer zwei Vorlagen.  © nordphoto
Werder Bremen gegen Hannover 96
Am Ende dürfen die Werder-Fans endlich den ersten Saisonsieg bejubeln.  © nordphoto

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Kommentar: Kohfeldts Lösungen bringen die Wende

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