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Mit einem ungläubigen Blick registriert Trainer Florian Kohfeldt, dass auch die letzte Chance des Spiels nicht den ersehnten Siegtreffer bringt. Obwohl Werder dringend einen Vollstrecker gebrauchen könnte, will der Coach keine Qualitätsdebatte führen.

Volltreffer auf dem Platz und dem Transfermarkt müssen her

Schwierig, schwierig, schwierig

Bremen - Wieder kein Heimsieg, noch kein neuer Stürmer, dazu die Suspendierung von Lamine Sane – es war insgesamt kein schönes Wochenende für den SV Werder.

Trainer Florian Kohfeldt und Sportchef Frank Baumann sparten dabei nach dem 0:0 gegen Hertha BSC nicht mit deutlichen Worten, um ihre Sicht der Dinge zu beschreiben. Während sich Kohfeldt um den richtigen Umgang mit der Herausforderung Abstiegskampf sorgte, ärgerte sich Baumann ungewöhnlich emotional über die zu hohe Erwartungshaltung bei der Stürmersuche. Die sei schwieriger, als so mancher glaubt. Schwierig auch, dass jeder Nicht-Sieg und jede ausgelassene Torchance am Selbstvertrauen knabbert.

Trotz bester Möglichkeiten hatte Werder gegen Berlin nicht getroffen. Da wurde zwangsläufig der Ruf nach einem neuen Angreifer noch lauter als ohnehin schon. „Ich glaube nicht an Glück und Pech – in einem Spiel ja, auf Dauer nicht“, sagte Kohfeldt und bestätigte damit indirekt, dass Werder durchaus ein Effektivitätsproblem hat. Die magere Ausbeute von nur 16 Treffern in 20 Spielen spricht sowieso für sich. „Wir müssen hart daran arbeiten, dass es besser wird“, forderte Kohfeldt und versuchte, das Thema umgehend zu beenden. Obwohl die Defizite nicht zu übersehen sind, ließ er sich „auf eine Qualitätsdebatte nicht ein“.

Kohfeldts stummer Schrei nach Spielern

Kohfeldt unterließ es auch diesmal, sich öffentlich klar und deutlich für Verstärkungen auszusprechen. Der 35-Jährige wählte den indirekten Weg: „Wir alle in diesem Verein müssen jetzt sagen: Es ist Überlebenskampf, auf den richten wir alles aus! Das möchte ich spüren.“

Diese Worte dürften explizit an Geschäftsführung und Aufsichtsrat gerichtet gewesen sein. Denn für einen neuen Stürmer wie den Dänen Martin Braithwaite müsste sich Werder finanziell richtig strecken. Aber das ist nicht das einzige Problem, wie Baumann leicht genervt anmerkte: „Nennen Sie mir doch mal drei Außenspieler, die in der Bundesliga 15, 20 Tore machen. Es ist doch ein Trugschluss, zu erwarten, dass wir einen Spieler holen, der außen spielt und plötzlich jedes Spiel zwei Tore macht.“ Es sei nun mal das Ziel, einen Ersatz für den verletzten Außenstürmer Fin Bartels zu finden. Und geht es nur um die Torquote, dann macht es das auch nicht einfacher. „Den zu finden, der eine hohe Wahrscheinlichkeit liefert, in der Bundesliga zehn, idealerweise sogar 15 Tore zu machen, ist nicht so leicht“, betonte Baumann: „In der Winterpause ist es noch etwas schwieriger – dazu für eine Mannschaft, die im Abstiegskampf steckt. Und für einen Verein, der keine überragenden finanziellen Möglichkeiten hat, wird es noch mal schwieriger.“

Wo sind sie, die neuen Spieler? Werder-Augfsichtsratschef Marco Bode (li.) und Sportchef Frank Baumann.

Es klang schon so, als hätte sich Baumann von einem neuen Angreifer verabschiedet. Doch der Sportchef fügte schnell noch an: „Trotzdem glauben wir, dass wir noch einen Spieler verpflichten können, der uns eine weitere Option in der Offensive gibt.“

Werder zeigt durchaus ansehnlichen Fußball

Möglicherweise hilft auch schon eine nicht ganz so namhafte Lösung, denn trotz des schlechten Tabellenplatzes spielt Werder nicht wie ein Abstiegskandidat, sondern zeigt durchaus ansehnlichen Fußball. „Wir haben Torchancen rausgespielt, wir haben Torchancen erzwungen – und wir haben bis auf eine Szene nichts zugelassen“, hob Kohfeldt nach der Nullnummer gegen Hertha BSC hervor: „Ich kann den Jungs weder in puncto Einsatz noch Umsetzung des Plans einen Vorwurf machen. Aber solche Spiele müssen wir gewinnen.“

Das ist das Problem. Werder hat auch das dritte Heimspiel in Folge nur unentschieden gespielt. Deswegen beträgt der Abstand zum Nicht-Abstiegsplatz drei Punkte, deswegen kann sich Werder auch nicht vom Hamburger SV und dem 1. FC Köln auf den Rängen 17 und 18 lösen. Irgendwann setzt sich in den Köpfen fest, dass Gewinnen irgendwie nicht mehr geht, dann zieht sich der Knoten der Verunsicherung immer weiter zu. Es ist eine große Gefahr, die Kohfeldt längst erkannt hat. Der Coach betont zwar, dass er von seinem spielerischen Ansatz nicht ablassen wird, „weil der am besten zu diesem Kader passt und die größte Aussicht auf Erfolg darstellt“, er träumt aber auch von einem dreckigen Sieg: „Ich hätte gern ein Spiel, nach dem ich sagen könnte: Ich weiß nicht, wie wir es gemacht haben, aber wir haben gewonnen.“

Lamine Sane wurde am Freitag vom Verein suspendiert, gehört nicht mehr zum Bundesliga-Kader.

Die Sehnsucht nach einem Dreier könnte größer kaum sein. Dafür tut Kohfeldt alles. Dafür hat er auch Lamine Sane aus der Mannschaft geworfen. Nichts soll den Teamgeist gefährden, für Kohfeldt gibt es nur einen Fokus: „Wir müssen uns der Situation bewusst sein, die ist gefährlich, richtig gefährlich.“ Und die nächste Aufgabe könnte kaum schwieriger sein – beim Tabellendritten FC Schalke 04.

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