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In der Form seines Lebens: Fin Bartels stellte die Berliner Abwehrspieler nicht nur bei seinem Führungstreffer vor erhebliche Probleme. Mit Max Kruse bildet Bartels dieser Tage ein Angriffsduo mit großer Durchschlagskraft.

„Wo wir sind, da wollen wir bleiben“

2:0 gegen Hertha – Werder hat die Tür nach Europa weit geöffnet

Bremen - Werder Bremen ist auf dem Weg nach Europa scheinbar überhaupt nicht mehr zu stoppen. Am Samstag planierte die Dampfwalze von der Weser auch den Tabellenfünften Hertha BSC und kletterte durch den 2:0 (2:0)-Sieg selbst auf Rang sechs der Fußball-Bundesliga.

Sollte es dabei bleiben, wäre Ex-Abstiegskandidat Werder am Saisonende sicher für die Europa League qualifiziert. „Wo wir gerade sind, da wollen wir auch bleiben“, erklärte Verteidiger Robert Bauer und richtete den Blick bereits auf die nächste Aufgabe. Am Freitagabend müssen die Bremer beim 1. FC Köln antreten – es ist das nächste Sechs-Punkte-Spiel gegen einen direkten Konkurrenten. Bauer: „Wenn wir da auch drei Punkte holen, wäre das ein ganz, ganz großer Schritt für uns.“

Die Hürde Hertha war am Samstag vor 42.100 Zuschauern im Weserstadion extrem schnell genommen. Nach nur 16 Minuten führten die Bremer durch Tore ihres immer besser harmonierenden Sturmduos Fin Bartels und Max Kruse mit 2:0. Beim ersten Treffer hatten die beiden den perfekten Konter gespielt und die Berliner mit zwei schnellen Pässen durcheinandergewirbelt. Bartels auf Kruse, Kruse steil auf Bartels, Beinschuss gegen Hertha-Keeper Rune Jarstein – fertig war das 1:0. „Max hat das Auge für solche Pässe, kann sie präzise spielen“, lobte der Schütze den Vorbereiter.

Wenig später revanchierte sich Bartels und legte für Kruse auf. Allerdings mit freundlicher Unterstützung von Jarstein. Der Norweger hatte einen Katastrophenpass auf Bartels gespielt, der Bremer hob kurz den Kopf, bediente Kruse – und wieder war der Ball drin.

Werder darf weiter von Europa träumen

Es war für Kruse bereits das 14. Saisontor – sieben davon hat Bartels vorbereitet. Und bei dessen sechs Treffern war zweimal Kruse der Vorbereiter. „Da ist etwas gewachsen. Ihr Zusammenspiel funktioniert sehr gut“, lobte Trainer Alexander Nouri. Und weil es bei Kruse/Bartels seit Wochen so rund läuft, blieb Serge Gnabry auch zunächst nur die Ersatzbank. Auf der saß zu Beginn auch Thomas Delaney. Nach dreiwöchiger Verletzungspause war der Däne bei Nouri noch nicht wieder erste Wahl, Maximilian Eggestein bekam den Vorzug. Erst nach der Pause kam Delaney für den angeschlagenen Florian Grillitsch (Rückenprobleme).

Aber im Grunde scheint bei Werder momentan sowieso nicht wichtig zu sein, wer spielt, es läuft ja sowieso wie geschmiert. Gegen die Hertha gönnten sich die Bremer sogar den Luxus, nach dem Zwei-Tore-Blitzstart gleich mal zwei Gänge runter zu schalten. Das Team begann früh damit, das Ergebnis zu verwalten. Das schmeckte Nouri einerseits nicht, andererseits war er aber auch beeindruckt und sah eine neue Qualität: „Wir hatten unnötige Ballverluste, das hat uns den Spielfluss genommen. Trotzdem waren wir defensiv sehr gut organisiert.“ Oder wie Schlussmann Felix Wiedwald es ausdrückte: „Es spricht für uns, dass wir so eine Partie auch runter spielen können.“

Noch drei Endspiele bis Europa

Tatsächlich passierte in den 74 Minuten nach dem 2:0 nicht mehr so richtig viel im Weserstadion. Theodor Gebre Selassie verpasste die Riesenchance zum 3:0, als er aus acht Metern über das Tor schoss (71.). Auf der anderen Seite wurde die Hertha lediglich mit einen Kopfball von Vladimir Darida (37.) und einem Versuch von Salomon Kalou (52.) gefährlich. Glück hatten die Bremer, das die Grätsche von Lamine Sane gegen Vedad Ibisevic nicht mit einem Elfmeter geahndet wurde (83.), und Pech, dass der artistische Abschluss des mittlerweile eingewechselten Gnabry knapp über das Berliner Tor strich (89.). Mit diesen wenigen Szenen ist die Geschichte des Spiels auch schon zu Ende erzählt.

Die Geschichte des Bremer Erfolgslaufs durch die Liga geht dagegen weiter. Seit elf Spielen ist das Team ungeschlagen, das Torverhältnis ist seit Samstag auch positiv – und Wiedwald kündigte an, dass die Serie bis zum Saisonende halten wird: „Wir wollen jetzt kein Spiel mehr verlieren.“ Sollte das gelingen, wäre die Europa-League-Qualifikation ziemlich wahrscheinlich. Aber bis dahin seien noch „drei brutal schwere Partien“ zu absolvieren, mahnte Sportchef Frank Baumann.

Nach Köln heißen die Gegner noch 1899 Hoffenheim und Borussia Dortmunder, zwei Hochkaräter der Liga. Doch Werder ist auch kein Winzling mehr und geht mit einem Maximum an Mut und Selbstvertrauen in den Schlussspurt. Bartels: „Das werden geile Spiele gegen Top-Gegner. Wir können dabei doch nur noch überraschen. Das ist eine tolle Situation.“

Mehr Stimmen zum Spiel gibt‘s hier.

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