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Leipzig-Coach Ralph Hasenhüttl und Werder-Coach Florian Kohfeldt.

Nach 1:1 im Weserstadion

Taktik-Analyse: Kohfeldt legt vor, Hasenhüttl antwortet

Bremen - 1:1 stand es am Ende zwischen Werder Bremen und RB Leipzig. 1:1 endete auch das Taktikduell zwischen Florian Kohfeldt und Ralph Hasenhüttl. Wie Kohfeldts Bremer in der ersten Halbzeit das Spiel dominierten und wie Hasenhüttl nach der Pause konterte, erklärt unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Respekt muss man sich erarbeiten. Dass RB Leipzig gegen Werder Bremen mit einer Fünferkette ins Spiel startete, war ein Zeugnis hohen Respekts. Bremens starke Leistungen in den vergangenen Wochen veranlasste Bullen-Coach Ralph Hasenhüttl, vom üblichen Leipziger 4-4-2 abzuweichen und einen Extra-Verteidiger aufzustellen. Geholfen hat es wenig: Werder-Coach Florian Kohfeldt fand die passende Antwort auf das Leipziger System. Sein Team dominierte die erste Halbzeit.

5-2-3-System gegen 5-3-2

Kohfeldt schickte seine Elf in einem 5-2-3-System auf das Feld. Philipp Bargfrede startete als zentraler Verteidiger und füllte die Abwehr zu einer Fünferkette auf. Die beiden Außenstürmer Milot Rashica und Zlatko Junuzovic agierten recht zentral.

Die Idee dahinter war, die Fünferkette der Leipziger im Aufbau matt zu setzen. Leipzig begann das Spiel in einem 5-3-2. Die Außenverteidiger rückten im Spielaufbau weit vor, sodass ein 3-1-4-2 entstand. Bremen stellte mit dem eigenen Dreier-Sturm die gegnerische Dreierkette im Aufbau zu. Dahinter nahmen Maximilian Eggestein und Thomas Delaney die gegnerischen Spielgestalter Emil Forsberg und Kevin Kampl aus dem Spiel.

Die Grafik zeigt Bremens System im Spiel gegen den Ball. Die drei Bremer Stürmer postierten sich so, dass der Passweg zu Demme im Zentrum verschlossen blieb.

Auf Leipziger Seite stand einzig Sechser Diego Demme im Spielaufbau frei. Bremens Stürmer kappten durch ihre zentrale Position allerdings die Passwege zu Demme. Dieser musste häufig auf die Flügel ausweichen. Leipzig kam somit selten durch die zentralen Räume nach vorne. Auf den Flügeln fehlten ihnen wiederum die Ideen, um das Spiel aus der eigenen Hälfte ruhig nach vorne zu tragen. Bremen hatte das Spiel bis zur Pause defensiv vollends im Griff.

Der Moisander-Effekt

Offensiv setzte Bremen – wie so häufig zuletzt – auf die eigene linke Seite. Linksaußen Rashica, sonst eher auf Rechtsaußen beheimatet, postierte sich auch im Angriff zentral und suchte den Weg direkt zum Tor. Unterstützung bekam er durch Max Kruse und den aufrückenden Delaney.

Es war aber ein anderer Akteur, der in der Folge im Fokus stand: Verteidiger Niklas Moisander versuchte sich in der ungewohnten Rolle als Stürmer. In der Tat gehört Moisander zu den beweglicheren Innenverteidigern der Bundesliga. Gerade sein Verhalten beim Aufrücken wird häufig unterschätzt: Er postiert sich gerne weit vorne oder traut sich weit hinaus an die Seitenlinie. Das ist häufig riskant, vergrößert aber den Raum, den seine Bremer bespielen können.

Dass der Führungstreffer entstand, nachdem Moisander weit in die gegnerische Hälfte aufrückte, war kein Zufall. Schon in der Vergangenheit verhielt sich Moisander äußerst offensiv, wenn er als äußerer Innenverteidiger einer Fünferkette spielen durfte. Diesmal ging sein Aufrücken auf, er erzielte den Führungstreffer (28.).

Ralph Hasenhüttl reagiert

Vor der Pause hatte Bremen sogar die Chance, die eigene Führung zu erhöhen. Nach der Pause jedoch waren die Leipziger am Drücker. Hasenhüttl brachte Ademola Lookman, der fortan auf Rechtsaußen agierte. Timo Werner rückte nun nach Linksaußen. Hasenhüttl stellte damit auf eine 4-3-3-Formation um.

Fotostrecke: Lookman kontert Moisander - 1:1

Werder Bremen gegen RB Leipzig
Werder Bremen gegen RB Leipzig © nordphoto
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Werder Bremen gegen RB Leipzig © dpa
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Werder Bremen gegen RB Leipzig © gumzmedia
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Werder Bremen gegen RB Leipzig
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Werder Bremen gegen RB Leipzig
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Diese 4-3-3-Formation funktionierte äußerst gut gegen Bremens 5-2-3: Die Außenstürmer besetzten geschickt die Schnittstellen der Bremer Fünferkette, zogen die Abwehr auseinander. Leipzig agierte nun wesentlich offensiver. Gerade mit Werners Sprints in die Schnittstellen sowie mit Lookmans Dribblings hatte Bremen Probleme. Ehe Kohfeldt taktisch reagieren konnte, hatte Leipzig bereits ausgeglichen (50.).

Florian Kohfeldt entschärft das Spiel

Kohfeldt brauchte einige Zeit, um seine Mannschaft zu sortieren. Zunächst beorderte er nach dem Rückstand Bargfrede aus der Abwehr. Er agierte fortan als Sechser im Mittelfeld, Bremen spielte nun ebenfalls im 4-3-3. Häufig war diese Formation jedoch zu gestreckt. Leipzig fand die freien Räume neben Bargfrede.

Erst nach der Einwechslung von Ishak Belfodil (62., für Rashica) stabilisierte sich Werder. Belfodil ging zunächst nach Linksaußen, wechselte nach knapp 70 Minuten allerdings ins Sturmzentrum. Kruse agierte fortan als Zehner hinter ihm, Bremen stellte damit auf ein 4-4-1-1 um. Diese neue Formation sorgte vor allem für defensive Stabilität. Nadelstiche setzte Bremen in der Schlussviertelstunde über Konter. Erneut war es die linke Seite, die reichlich Zug zum Tor zeigte. Bremens Schlussoffensive änderte aber nichts am Ergebnis.

1:1 – ein gerechtes Ergebnis, wenn man beide Halbzeiten betrachtet. Bremen hatte in der ersten Halbzeit klares Oberwasser, ehe Hasenhüttl mit seiner Systemumstellung frischen Wind in das Spiel brachte. Grämen braucht sich Bremen aber nicht. Kohfeldts Team hat erneut bewiesen, dass sie auch mit den Spitzenteams der Liga mithalten können: spielerisch, läuferisch, vor allem aber taktisch.

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