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Werder-Coach Alexander Nouri fuhr zwar dieser Tage schon mit dem Golfcart durch das Weserstadion, aber als vermeintliche Abwehrwand vor dem eigenen Tor – wie vom Verein scherzhaft berichtet – will er ihn für das Leipzig-Spiel dann doch nicht parken.

Vor Spiel gegen RB Leipzig

Der Herausforderer macht dicht

Bremen - Von Björn Knips. Im Heimspiel gegen den Tabellenzweiten will Werder am Samstag besser umschalten - und das ausgerechnet gegen das Umschalt-Monster von RB Leipzig.

Auch im Abstiegskampf beweist Werder Humor. Im Internet verriet der Club seine vermeintliche Taktik für das Heimspiel heute gegen den Tabellenzweiten RB Leipzig – und bildete dazu vielsagend einen Bus ab. Dazu noch ein Bild von Trainer Alexander Nouri als Fahrer, wenn auch nur eines Golfcarts. Werder macht hinten dicht – sollte die Botschaft wohl lauten. Ein netter Spaß, aus dem durchaus Ernst werden könnte. Denn Nouri wird gegen die Überflieger aus Sachsen mehr denn je auf Defensive und sein Umschaltspiel setzen.

„Wir sind Herausforderer“, sagt Nouri und macht damit die Kräfteverhältnisse mehr als deutlich. Es klingt fast so, als sei der Coach froh, diesmal im Weserstadion nicht der Favorit zu sein. Kein Wunder, vor zwei Wochen wäre Werder gegen Schlusslicht Darmstadt unter dieser Bürde fast zusammengebrochen. Nach einer gruseligen ersten Halbzeit gab es doch noch einen 2:0-Sieg. „Es wird ein anderes Spiel sein mit anderen Vorzeichen“, prophezeit nun der Coach. Damals war ganz klar ein Sieg das Ziel, diesmal spricht Nouri nur davon, Punkte mitnehmen zu wollen. Der Plural ist zwar nicht zu überhören – die Vorsicht aber auch nicht.

Dabei könnte das Selbstbewusstsein kaum größer sein. „Zehn Punkte in drei Spielen sind viel“, urteilt Nouri und muss selbst sofort laut lachen. Er hat sich verzählt. „In vier Spielen natürlich“, fügt er entschuldigend an. Es ist aber gerade auch gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten. Werder punktet und punktet – und trotzdem könnte der Abstiegskampf kaum spannender sein. Die Bremer sind punktgleich mit dem Hamburger SV auf dem Relegationsplatz – und dem VfL Wolfsburg auf Rang 14. Holen die Konkurrenten auch an diesem Wochenende wieder etwas Zählbares und Werder nicht, dann folgt eine Länderspielpause in der Abstiegszone. Das wünscht sich keiner in Bremen.

Kein schlechter Zeitpunkt für ein Spiel gegen Leipzig

„Das zeigt, dass wir keinen Funken nachlassen dürfen, immer an unser Limit gehen müssen“, betont Nouri. Seine Taktik ist dabei ganz einfach: Bitte umschalten – und zwar schnell und präzise. „Gegen Darmstadt hatten wir 21 Umschaltsituationen, aber der letzte Pass war unsauber oder die Abschlussaktion wurde nicht zu Ende gebracht“, moniert der Coach. Oft wirkt es im Bremer Spiel allerdings auch so, dass zu planlos umgeschaltet wird, dass sich zu sehr auf die individuelle Klasse der Stars wie Max Kruse oder Serge Gnabry verlassen wird.

Wie es besser geht, hat Gegner Leipzig in dieser Saison eindrucksvoll bewiesen. Der Aufsteiger gilt als Umschalt-Monster – und dazu noch als Pressing-Maschine mit einer schier unglaublichen Intensität. Doch zuletzt schwächelten die Sachsen ein bisschen. Vor einer Woche gab es eine 0:1-Heimpleite gegen Wolfsburg. Zudem fehlt ihnen heute der gelbgesperrte Naby Keita, der die Werder-Wand im Hinspiel mit einem beeindruckenden Solo durchbrochen hatte.

Es gab also schon schlechtere Zeitpunkte, um gegen den Tabellenzweiten zu spielen. „Man kann aber auch sagen, sie werden irgendwann zur Stärke zurückfinden“, hält Nouri dagegen: „Wir müssen uns das Quäntchen Glück erarbeiten, das man gegen eine Mannschaft einfach braucht, die über unheimlich viel Potential verfügt.“ Und dafür machte Werder sogar schon am Tag vor dem Spiel dicht: Das Abschlusstraining fand anders als zuvor angekündigt unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der eine oder andere extra angereiste Fan fand das nicht ganz so lustig.

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