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In der Chancenverwertung hat Werder die Partie gegen den SC Freiburg ganz klar gewonnen.

Nullnummer gegen Freiburg

Wieder kein Sieg, weil Werder nicht trifft

Bremen. Die Bremer Sieglos-Serie geht weiter – und der Grund dafür ist ganz einfach: Werder trifft das Tor einfach nicht. Gegen den SC Freiburg gab es ein letztlich enttäuschendes 0:0.

Nach einer erneut schwachen ersten Halbzeit steigerten sich die Bremer zwar deutlich, erarbeiteten sich auch gute Chancen, doch einen Gegner wie den SC Freiburg muss Werder im eigenen Stadion einfach bezwingen, um aus dem Tabellenkeller zu kommen. Mit nur drei Punkten bleibt Werder Tabellenvorletzter hinter Freiburg (vier Punkte), was bei erst drei Toren in sechs Spielen nicht wirklich verwundert.

Trainer Alexander Nouri hatte gleich drei Startelf-Veränderungen vorgenommen und zudem für drei Premieren gesorgt: Erstmals in dieser Saison standen Philipp Bargfrede, Ishak Belfodil und Niklas Moisander von Beginn an auf dem Platz. Für Moisander war es sogar das Comeback nach seiner Muskelverletzung in der Vorbereitung. Für das Trio mussten im Vergleich zum Wolfsburg-Spiel Luca Caldirola, Maximilian Eggestein und Jerome Gondorf ihren Platz räumen. Abwehrchef Lamine Sane war nicht rechtzeitig fit geworden.

Die Bremer agierten wesentlich mutiger

„Wir wollen aktiv sein“, kündigte Nouri kurz vor dem Anpfiff via Sky an – und seine Mannschaft hielt Wort. Die Bremer agierten wesentlich mutiger als in der ersten Halbzeit in Wolfsburg. Das wäre bereits nach sechs Minuten beinahe belohnt worden. Doch Thomas Delaney köpfte eine Freistoß-Hereingabe von Florian Kainz neben das Tor. Dann machte Belfodil erstmals auf sich aufmerksam. Der algerische Neuzugang ließ sich nach feiner Delaney-Vorarbeit zwar von den Freiburgern einholen, kam dann aber gegen drei Gegenspieler doch noch zum Abschluss, scheiterte allerdings an Keeper Alexander Schwolow (10.).

Freiburg-Keeper Alexander Schwolow parierte stark gegen Werder Bremen.

Freiburg wirkte nur kurz beeindruckt. Florian Niederlechner setzte mit einem frechen Schuss ins kurze Eck ein erstes Ausrufezeichen, konnte aber Werder-Torwart Jiri Pavlenka nicht überwinden (14.). Das Duell sollte es noch häufiger geben – und in der ersten Hälfte hieß der Sieger immer Pavlenka. Erst beförderte er einen von Niederlechner geschickt abgefälschten Stenzel-Schuss gerade noch über die Latte (27.), dann war er rechtzeitig draußen und machte sich so breit vor dem durchgebrochenen Freiburger Stürmer, dass der ihn nur noch anschießen konnte (40.). Ein richtig guter Auftritt des Werder-Keepers, der umso wichtiger war, weil die Bremer Abwehr gerade in der Mitte nicht immer gut stand.

Es fehlten die Ideen

Und der Bremer Angriff? Der mühte sich, war aber glücklos. Wie zum Beispiel Fin Bartels, der den besten Werder-Angriff über Milos Veljkovic und Ludwig Augustinsson versemmelte, weil er den Ball nicht richtig traf (25.). Dazu gab es noch einen Schuss des aktiven Belfodil, den Schwolow parierte (30.). Insgesamt war es zu wenig für einen Gastgeber, der am sechsten Spieltag endlich den ersten Dreier einfahren wollte. In der gegnerischen Hälfte riskierten die Bremer viel zu wenig, gingen kaum in Eins-gegen-Eins-Situationen, Doppelpässe oder sogar Kombinationen gab es ebenfalls viel zu selten. Es fehlten die Ideen - von Bargfrede, Delaney und Kainz kamen da im zentralen Mittelfeld kaum Impulse. Und allen Werder-Spielern war anzumerken, dass die eigene Torsicherung immer noch weit vor dem Torerfolg stand. Das hemmte die Offensivbemühungen.

Belfodil vergab auf vier Metern nach tollem Bartels-Zuspiel in der 75. Minute.

Vieles musste also besser werden in Halbzeit zwei. Und tatsächlich, Werder wirkte entschlossener. Ein bisschen war es wie die Kopie der Startphase zu Beginn des Spiels. Die Gastgeber gingen vorne drauf, und Delaney vergab wieder die erste Chance per Kopf (53.). So munter ging es weiter. Bargfrede jagte die Kugel nur knapp neben das Gehäuse (58.). Ärgerlich aus Bremer Sicht, dass der bereits verwarnte Caglar Söyüncü für seinen Trikotzupfer am enteilten Belfodil nicht Gelb-Rot bekam (60.). Schiedsrichter Robert Hartmann entschied zwar auf Freistoß, ließ den Freiburger aber weiterspielen.

Nach 66 Minuten reagierte Nouri mit einem Sechser-Wechsel. Für Bargfrede kam Maximilian Eggestein. Und nur wenige Sekunden später bebte das Weserstadion, weil Belfodil nach Pass von Kainz getroffen hatte. Doch das Schiedsrichtergespann spielte nicht mit und lag mit seiner Abseitsentscheidung richtig. Aber es war schon sehr, sehr knapp gewesen.

Werder dominierte, traf aber das Tor nicht

Freiburg hatte wieder nur zuschauen können, wie schon die gesamte zweite Halbzeit. Das schmeckte Trainer Christian Streich natürlich gar nicht, also brachte er seinen Superjoker Nils Petersen (70.). Doch nicht der Ex-Bremer, sondern Philipp Lienhart hatte nach einer Ecke die große Chance zur Führung, traf per Kopf aber nur das Aluminium (72.).

An den Kräfteverhältnissen änderte sich nichts. Werder dominierte, traf aber das Tor einfach nicht. So vergab Belfodil aus vier (!) Metern nach tollem Bartels-Zuspiel (75.). Ein Schrei des Entsetzens ging durch das Stadion. Eine Bremer Führung wäre längst verdient gewesen. Nouri versuchte es mit Izet Hajrovic, der Kainz ersetzte.

Werder zu fahrlässig im Abschluss

Doch erst mal stand ein anderer Einwechselspieler im Fokus: Petersen tauchte plötzlich allein vor Pavlenka auf, beide rauschten Richtung Ball, der schließlich neben dem Tor landete (81.). Durchatmen bei Werder – und dann wieder ab in den Vorwärtsgang. Bartels hielt noch mal aus 16 Metern drauf – ohne Erfolg (87.). Genauso wie Theodor Gebre Selassie, der mit einer noch besseren Chance an Schwolow scheiterte (90.).

Da wurde ein Max Kruse, der in der vergangenen Saison so zuverlässig getroffen hatte, arg vermisst. Der Angreifer wird mit seinem Schlüsselbeinbruch noch wochenlang fehlen. Sein Ersatz Belfodil zeigte gegen Freiburg gute Ansätze, aber traf eben nicht. Es war das Werder-Dilemma an diesem Nachmittag.

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Ein Kommentar von DeichStuben-Redakteur Björn Knips: Herr Nouri, wo ist die Siegermentalität?

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