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Ein Trost vom Trainer: Alexander Nouri nimmt Thomas Delaney nach der Partie gegen FC Freiburg in den Arm.

Nouri freut sich über erstes zu Null

Werder akzeptiert die Pfiffe der Fans

Das Urteil des Publikums fiel eindeutig aus. Mit einem kurzen, aber heftigen Pfeifkonzert schickten die Fans des SV Werder Bremen ihre Mannschaft am Samstag in den Feierabend.

Auch gegen den SC Freiburg hatten sich die Hoffnungen auf den ersten Saisonsieg in der Bundesliga nicht erfüllt, letztlich reichte es für die über weite Strecken besseren Bremer nicht zu mehr als einem 0:0. 

Werder hat nun nach sechs Spieltagen nur drei Punkte auf dem Konto, steht weiter auf dem vorletzten Tabellenplatz – weshalb sich ganz ohne Schwarzmalerei festhalten lässt: Es riecht erneut nach einer von Abstiegskampf geprägten Saison. Und eine Trainerdiskussion ist bei den bisher erzielten Resultaten auch nicht mehr weit weg. „Wir sind uns der Situation bewusst“, sagte Mittelfeldspieler Florian Kainz am Samstag nach dem Spiel.

Wie sich das 0:0 gegen die bislang ebenfalls noch sieglosen Freiburger anfühlte, zeigte ein Blick auf das Spielfeld direkt nach dem Abpfiff. Einige Bremer sanken zu Boden, andere stützten sich schwer auf ihre Knie. Das Gewicht der Enttäuschung drückte alle nach unten. Und obwohl es hinterher niemand so zugeben wollte, wird bei allen der Gedanke durch den Kopf geschossen sein, gegen wen denn überhaupt gewonnen werden soll, wenn nicht zu Hause gegen den SC Freiburg.

Werder zu ängstlich, Werder ohne Risiko, Werder zu unentschlossen

Diese Frage hat ihre Berechtigung, denn der SC hatte zuvor beide Auswärtsspiele der Saison mit 0:4 verloren. Werder allerdings ist derzeit kein Team, das vier Tore schießt – schon gar nicht in einem Spiel schießt. Werder hat erst drei in sechs Partien erzielt – und am Samstag war deutlicher denn je die Abschlussschwäche das Bremer Problem. „Ich habe acht Chancen gezählt, davon muss man auch mal einen mit aller Macht über die Linie drücken“, kritisierte Coach Alexander Nouri sein Personal. 

Mittelfeldspieler Thomas Delaney erklärte derweil im „Sky“-Interview, dass das Abschlussverhalten nur ein Teil des Ganzen sei. „Wir konzentrieren uns zu sehr darauf, nicht zu verlieren, als zu gewinnen“, sagte der Däne und frischte damit ein Thema auf, das schon nach dem 1:1 beim VfL Wolfsburg vier Tage zuvor hochgekocht war. Werder zu ängstlich, Werder ohne Risiko, Werder zu unentschlossen – es ist wohl was dran. Und immer wieder schwingt der Verdacht mit, dass Alex Nouri das so möchte. Der Coach sagte: „Man muss auch das Positive sehen: Wir haben das erste Mal in dieser Saison zu null gespielt.“

Delaney moniert das Sicherheitsdenken

Leider auch vorne. Dabei waren ausreichend Möglichkeiten vorhanden, das zu verhindern. Ishak Belfodil, der neben Comebacker Niklas Moisander und Philipp Bargfrede einer von drei Neuen in der Startelf war, hätte schon nach elf Minuten auf 1:0 stellen können. Als er freie Bahn zum Freiburger Tor hatte, brachte ihn eine schlechte Ballmitnahme aber aus dem Tritt. 

Und in der zweiten Halbzeit, die Werder ähnlich wie in Wolfsburg nach schwacher erster Hälfte deutlich druckvoller gestaltete, hatte erneut Belfodil die größte Chance, den Bann zu brechen. Nach Zuspiel von Fin Bartels wollte der Algerier den Ball ins lange Eck verlängern, brachte ihn aber auf Kurs Eckfahne (75.). Kurz zuvor hatte die Lüttich-Leihgabe zwar getroffen, stand dabei aber hauchdünn im Abseits (67.). 

Belfodil vergab auf vier Metern nach tollem Bartels-Zuspiel in der 75. Minute.

Ein Distanzschuss von Bargfrede, ein Versuch von Ludwig Augustinsson (76.) sowie dicke Chancen für Fin Bartels (88.) und Theodor Gebre Selassie waren die weiteren Szenen, in denen Werder das Spiel für sich hätte entscheiden können. Es blieb beim Konjunktiv – wie schon so oft in dieser Spielzeit. Es wäre mehr drin gewesen – dieser Satz galt schon gegen Hoffenheim, gegen Schalke, gegen Wolfsburg.

„Wir sind genauso enttäuscht wie die Fans“

Gegen Freiburg galt aber auch, dass Werder-Torhüter Jiri Pavlenka sein Team mehrfach vor einem Rückstand bewahren musste – besonders in der ersten Hälfte. Der Tscheche parierte ausgezeichnet bei einem abgefälschten Schuss von Pascal Stenzel (27.), bei einer Chance von Mike Frantz (31.) und im Herausstürzen gegen Florian Niederlechner (40.). Glück hatte er zudem, dass ein Kopfball von Philipp Lienhart an den Außenpfosten klatschte (72.).

Starke Paraden von Jiri Pavlenka - sein bestes Spiel im Werder-Trikot.

Dies waren die Momente, die Werder-Sportchef Frank Baumann in seiner Argumentation bestätigten, „dass wir hier gegen keine Laufkundschaft gespielt haben“. Aber klar: Zu Hause gegen Freiburg – da ist auch ihm ein Punkt zu wenig. „Wir sind genauso enttäuscht wie die Fans“, sagte er und akzeptierte die Pfiffe von den Rängen klaglos: „Wir haben definitiv keine Top-Leistung gezeigt. Normal, dass da gepfiffen wird.“

Baumann hofft jetzt auf das Nordderby beim Hamburger SV am Samstag (18.30 Uhr) und darauf, dass es „dann klick macht bei uns. Dafür ist so ein Derby ja genau das richtige Spiel.“

Einzelkritik: Pavlenkas bestes Spiel

Jiri Pavlenka
Jiri Pavlenka: Der Tscheche lieferte sein bislang bestes Spiel im Werder-Trikot ab. Starke Paraden bei den Freiburger Chancen durch Stenzel (27.), Frantz (31.), Niederlechner (40.) und mit Glück, dass ein Lienhart-Kopfball am Außenpfosten landete (72.). Note 2 © nordphoto
Robert Bauer
Robert Bauer: Sah eine Gelbe Karte, für ein Foul, das vermutlich gar keines war. Er gewann nur 33 Prozent seiner Zweikämpfe, was für einen Innenverteidiger kein Qualitätsmerkmal ist. Note 4 © nordphoto
Milos Veljkovic
Milos Veljkovic: Trotz der Rückkehr von Niklas Moisander ins Team, blieb Veljkovic in der Mitte der Dreierkette. Er lieferte ein paar haarige Szenen ab, weil er mit den Abspielen zu lange wartete, hatte aber auch einen Zuckerpass auf Augustinsson im Repertoire. Note 3,5 © nordphoto
Niklas Moisander
Niklas Moisander: Saisondebüt für den Finnen. Nach auskurierter Muskelverletzung feierte er sein Comeback und spielte so, als wäre er nie weg gewesen. Er gewann 86 Prozent seiner Mann-gegen-Mann-Duelle. Moisander übernahm auch wieder die Kapitänsbinde von Delaney. Note 3 © nordphoto
Philipp Bargfrede
Philipp Bargfrede (bis 67.): Er verdrängte Maximilian Eggestein aus der Startelf und stand erstmals seit dem 21. Dezember 2016 (1:1 gegen Hoffenheim) wieder von Anfang an auf dem Platz. Bargfrede begann im defensiven Mittelfeld sehr stark, tauchte dann aber etwas ab. Mit einem Distanzschuss, der nur knapp am Tor vorbeizischte, zeigte er sich nochmal, dann folgte die Auswechslung. Note 3 © nordphoto
Theodor Gebre Selassie
Theodor Gebre Selassie: Vergab – wie schon gegen Wolfsburg – kurz vor Schluss die Chance zum Siegtreffer. Insgesamt etwas mehr im Spiel als in den Partien zuvor, doch von ihm gehen kaum Impulse aus. Note 4 © dpa
Ludwig Augustinsson
Ludwig Augustinsson: Was den Mann auf dem linken Flügel von Gebre Selassie auf rechts unterschied, waren zwei, drei gefährliche Flanken und vereinzelte gute Laufwege. Da geht aber bestimmt noch mehr. Note 3,5 © nordphoto
Florian Kainz
Florian Kainz (bis 78.): Dass ausgerechnet er ausgewechselt wurde, war selbst dem Österreicher ein Rätsel. Kainz war ein Aktivposten im Offensivspiel, leitete viele Aktionen ein. Der Pass auf (den leider im Abseits stehenden) Belfodil war richtig schick. Note 2,5 © nordphoto
Thomas Delaney
Thomas Delaney: Vielleicht kann man kritisieren, dass er das Team nicht so geführt hat, wie man es von ihm erwartet. Auch seine Aktionen im Strafraum waren nicht zwingend. Aber Delaney war immer da, wo es brannte. Speziell im Nachsetzen bei Kontersituationen des Gegners ganz stark. Note 3 © Gumz
Fin Bartels
Fin Bartels: Es war ein Spiel mit Licht und Schatten für den 30-Jährigen. Eine versemmelte Chance nach 25 Minuten, eine versemmelte Chance nach 88 Minuten und dazwischen viel Laufarbeit mit wenig Ertrag. Bereitete aber die Top-Chance für Belfodil vor. Note 4 © nordphoto
Ishak Belfodil
Ishak Belfodil: Mit fünf Versuchen schoss er so oft auf das Freiburger Tor wie kein anderer Bremer. Traf aus dem Abseits (67.), aber nicht aus allerbester Position nach Bartels-Vorarbeit. Die andere Top-Chance nach nur elf Minuten muss zudem unter „verstolpert„ geführt werden. Belfodil wich bei seinem Startelf-Debüt zunächst noch oft nach außen aus, blieb nach der Pause aber im Sturmzentrum. War dort gefährlich, aber noch nicht gefährlich genug. Note 4 © nordphoto
Maximilian Eggestein
Maximilian Eggestein (ab 67.): Löste Bargfrede ab, tat sich aber nicht als der erkennbare bessere Sechser hervor. Note - © nordphoto
Izet Hajrovic
Izet Hajrovic (ab 78.): Viele Fans hatten Johannes Eggestein als Joker erwartet, doch es kam Hajrovic. Dessen ersten beiden Aktionen misslangen gründlich, danach zündete er auch nicht mehr. Note - © nordphoto

Ein Kommentar von Björn Knips:Herr Nouri, wo ist die Siegermentalität?

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