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Das tut schon beim Hinsehen weh: Schalkes Thilo Kehrer fährt Werders Max Kruse heftig in die Parade. Ein Foul mit schwerwiegenden Folgen: Der Bremer knallt auf die Schulter, bricht sich das Schlüsselbein und wird lange ausfallen.

1:2 gegen Schalke und acht Wochen Pause für Kruse

Der Bremer Doppelschock

Bremen - Spiel verloren, Top-Star schwer verletzt, Eigentor der Marke Geht-doch-gar-nicht fabriziert – wer sich für ein Fußball-Spiel ein Drehbuch wie dieses einfallen lässt, muss schon ein ziemlich fieser Lump sein.

Für die Spieler des SV Werder war die Horror-Story allerdings Realität – sie kassierten am Samstag mit dem 1:2 (1:1) gegen Schalke 04 eine ziemlich unnötige Heimniederlage sowie die dritte Pleite im vierten Saisonspiel und mussten zudem auch noch das Aus von Max Kruse verkraften. Der Stürmer zog sich in der 16. Minute bei einem rüden Foul von Schalke-Verteidiger Thilo Kehrer einen Schlüsselbeinbruch zu und wird den Bremern nun acht Wochen fehlen. Damit verpasst er auch die Partien gegen seine beiden Ex-Clubs VfL Wolfsburg am Dienstag und SC Freiburg am Samstag.

Die Diagnose war ein Schock für alle. Sogar ein größerer als die Niederlage selbst, sagte Verteidiger Lamine Sane. „Punkte kann man aufholen, Max ist definitiv der größere Verlust“, seufzte der Abwehrchef. In der Rückrunde der vergangenen Saison war Kruse mit 13 Toren der Hauptgrund, weshalb Werder dem Abstiegskampf entkam und sogar an der Europa League schnuppern durfte.

Kruses Verletzung stellt Werder vor ein riesiges Problem

Dass er nun zwei Monate ausfällt, stellt Trainer und Mannschaft vor ein riesiges Problem. „Es wird sehr schwierig für uns, das aufzufangen. Es ist ein herber Rückschlag“, meinte Sane. „Wir müssen das als Mannschaft lösen“, forderte Trainer Alexander Nouri. Und Sportchef Frank Baumann machte mit Worten, was Nouri zuvor schon auf dem Platz gemacht hatte: Er brachte Ishak Belfodil ins Spiel.

Die Last-Minute-Verpflichtung des Sommers kam für Kruse, feierte seine Heimpremiere im Weserstadion und zeigte in wenigen Szenen, dass er was drauf hat. Wie viel tatsächlich, das kann der Algerier in den kommenden Wochen beweisen. Baumann: „Wir haben ihn ja verpflichtet, um auf Ausfälle reagieren zu können. Ishak hat seine Qualität schon aufblitzen lassen.“

Nach einem späten Tor von Leon Goretzka verlor Werder Bremen gegen Schalke 04.

Zum Beispiel bei zwei Aktionen, als er Fin Bartels bediente (60.) und Florian Kainz suchte, aber nicht fand (62.). Beides brachte keinen Erfolg, weil in den 90 Minuten gegen Schalke das galt, was Sane hinterher mehr als deutlich formulierte: „Die anderen schießen Scheißtore, aber sie schießen sie wenigstens. Wir spielen schön, machen aber die dreckigen Tore nicht.“

Was jedoch nicht ganz stimmte. Denn ein dreckiges Tor hatte Werder doch gemacht – und zwar in Person von Lamine Sane. Nach einem ziemlich guten Bremer Start, traf der Senegalese nach einem Kopfball von Ludwig Augustinsson an den Pfosten mit Wucht zum 1:0 (20.). Es war die erste Bremer Führung überhaupt in der noch jungen Saison. Aber sie hielt nur zwei Minuten. Und daran war allein Werder schuld. „Zum 1:1“, sagte Coach Nouri zerknirscht, „hat Schalke am wenigsten beigetragen“.

Gegen Wolfsburg ist Werder zum Siegen verdammt

Passiert war das: Nach einer Schalker Ecke hatte Torhüter Jiri Pavlenka zunächst schlecht gefaustet, und als der Ball hoch ins Zentrum zurückkam, produzierten Sane und Abwehrkollege Milos Veljkovic ein Eigentor, das seinen Platz im Kuriosiäten-Kabinett der Saison jetzt schon sicher hat. Veljkovic wollte per Kopf retten, Sane per Fallrückzieher. Resultat: Sane traf Veljkovic, und der Serbe köpfte ins eigene Tor. „Mein Fehler. Das hätte ich anders lösen können“, meinte Veljkovic, provozierte damit aber den Widerspruch des Mitverursachers: „Wir zeigen beide die normalen Reflexe eines Abwehrspielers.“

Wie auch immer: Werder war die Führung schnell wieder los, konnte sich also erst gar nicht in der Abwehr einrichten und auf Konter lauern, sondern musste das Spiel weiter bestimmen. Was sie auch taten. Deutlich besser als in den Partien zuvor. Doch die Chancenverwertung war mangelhaft. Florian Kainz vergab per Kopf (36.), Fin Bartels vermurkste bei er Zwei-gegen-eins-Stuation den Pass auf Belfodil (40.) und schoss nach Belfodil-Vorlage drüber (60.).

Schalke tauchte nur selten vor dem Bremer Tor auf, kam dennoch zum Siegtreffer. Leon Goretzka traf aus kurzer Distanz, wiederum nach einem Eckball (83.). Während die Schalker nun mit neun Punkten glänzend dastehen, ist Werder mit nur einem Zähler am Dienstag in Wolfsburg zum Siegen verdammt. Ohne Max Kruse, der noch am Samstag am gebrochenen Schlüsselbein operiert werden sollte.

Werder Bremen vs. Schalke 04

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