+
Nach einer Ecke erzielte Ishak Belfodil das 1:0 für Werder Bremen gegen 1899 Hoffenheim.

Werder Bremen im DFB-Pokal gegen 1899 Hoffenheim

Belfodil schickt Werder ins Achtelfinale

Bremen - Krise? Welche Krise? Mit einem überraschenden 1:0-Sieg über 1899 Hoffenheim in der zweiten Runde des DFB-Pokals hat Werder Bremen am Mittwochabend nicht nur einen Lichtstrahl in das Dunkel der eigenen tristen Bundesliga-Existenz geschickt, sondern auch einer der längsten Serien im deutschen Fußball eine Fortsetzung verpasst.

Die Bremer gewannen auch das 36. Pokal-Heimspiel in Folge und hoffen nun bei der Auslosung des Achtelfinals (Spieltermin: 19./20. Dezember) am Sonntag auf die nächste Heimpartie. Gegen den Bundesliga-Vierten aus Hoffenheim erzielte Ishak Belfodil mit seinem ersten Treffer im Werder-Trikot das Tor des Tages (31.). Der Algerier sorgte damit auch für ein wenig Entspannung in der Diskussion um Trainer Alexander Nouri.

Der Coach steht nach einem Bundesliga-Saisonstart von neun sieglosen Spielen und Platz 17 stark in der Kritik. Am Mittwoch reagierte er darauf mit einer Aufstellung, die vor dem Anpfiff für viele Diskussionen unter den Fans sorgte. Denn Nouris Rotation warf eine Startelf mit sechs (!) nominellen Verteidigern ab. Hoffnungsträger Max Kruse blieb dagegen zunächst auf der Bank. Das Team formierte sich auf dem Platz zu einem System mit zwei Viererketten, die Hoffenheim den Weg zum Bremer Tor versperren sollten. Vorne sollten Zlatko Junuzovic, Belfodil oder der liebe Gott helfen.

Nouri stellt Mannschaft für Abwehrschlacht auf

Insgesamt sah Nouris Gebilde verdächtig nach geplanter Abwehrschlacht aus – so, als ob es der in der Kritik stehende Trainer mit einem Seitenblick auf die Bremer Pokalhistorie nur auf ein 0:0 und ein Elfmeterschießen abgesehen gehabt hätte. Denn Werder hat im Weserstadion noch nie ein Pokalspiel nach Elfmeterschießen verloren, viermal hatten die Bremer das bessere Ende für sich.

Hätte allerdings Schiedsrichter Tobias Stieler (Hamburg) in der 17. Minute besser hingeschaut, hätte ausgerechnet ein Elfmeter das Bremer Konzept früh über den Haufen werfen können. Linksverteidiger Ulisses Garcia hatte im Strafraum Kerem Demirbay umgetreten, doch statt Strafstoß gab es Abstoß – durchatmen bei 31.000 Zuschauern auf den Rängen des Weserstadions.

Max Kruse kam nach einer Stunde ins Spiel, feierte nach seinem Schlüsselbeinbruch die Rückkehr ins Weserstadion.

Und Luft holen zum Jubeln! Denn in der 31. Minute geschah Unerwartetes. Die Gastgeber, die in der Bundesliga schon seit vier Spielen auf ein Tor warten, führten plötzlich. Die Entstehung: Nach einem der eher seltenen Bremer Vorstöße durfte Zlatko Junuzovic einen Eckball treten. Thomas Delaney verlängerte per Kopf auf Belfodil, der nur noch den Fuß hinhalten musste. 1:0, erster Treffer des Algeriers im Bremer Trikot und die seltene Bestätigung für Nouri, dass auch aus einer defensiven Grundordnung heraus ein Tor produziert werden kann. Dass dafür eine Standardsituation herhalten musste, war fast schon logisch.

Allerdings hatte sich Werder auch gar nicht so sehr eingeigelt, wie es die Aufstellung vermuten ließ. Mit der Führung im Rücken wurden die Bremer noch ein bisschen mutiger – und auch giftiger. Für ein Scharmützel mit anschließender Rudelbildung bekamen Belfodil und Hoffenheims Hübner Gelb (40.).

Fotostrecke: Belfodil bricht den Bann - Werder weiter

Werder Bremen gegen TSG 1899 Hoffenheim
Werder-Trainer Alexander Nouri stand nach der Sieglos-Serie in der Liga im Fokus. Dafür sorgte auch seine Aufstellung: Sechs Verteidiger waren auf dem Platz.  © Gumz
Werder Bremen gegen TSG 1899 Hoffenheim
In der 3. Minute kam der Ball nach einer Ecke zum ersten Mal vor das Gehäuse der Hoffenheimer, Thomas Delaney konnte ihn aber nicht verwerten. © nordphoto
Werder Bremen gegen TSG 1899 Hoffenheim
Auch Hoffenheim erarbeitete sich Chancen, hier klärte Niklas Moisander mit dem Kopf. © Gumz
Werder Bremen gegen TSG 1899 Hoffenheim
Für Werder steuerte Ishak Belfodil in der 21. Minute einen Schussversuch bei, er war außerhalb des Strafraums aber deutlich auffälliger.  © Gumz
Werder Bremen gegen TSG 1899 Hoffenheim
Und dann ging es plötzlich schnell: Nach einer Ecke von Zlatko Junuzovic in der 31. Minute verlängerte Delaney per Kopf - Belfodil stand genau richtig und netzte ein. 1:0 für die Bremer! © nordphoto
Werder Bremen gegen TSG 1899 Hoffenheim
Kurz vor Ende der ersten Halbzeit noch ein Aufreger: Rudelbildung nach einem Foul an Belfoldil (40.). Werder war in der ersten Hälfte nach dem Tor überlegen und ging mit der 1:0-Führung in die Pause.  © Gumz
Werder Bremen gegen TSG 1899 Hoffenheim
Die zweite Hälfte begann mit großem Glück für die Bremer: Andrej Kramarics Freistoß in der 51. Minute traf nur die Latte.  © nordphoto
Werder Bremen gegen TSG 1899 Hoffenheim
In der 61. Minute durfte der Torschütze Belfodil dann unter Applaus vom Platz. Max Kruse kam für ihn. © nordphoto
Werder Bremen gegen TSG 1899 Hoffenheim
Es wurde eine umkämpfte zweite Hälfte, Hoffenheim drückte gegen Ende noch ordentlich.  © nordphoto
Werder Bremen gegen TSG 1899 Hoffenheim
Vor allem Jiri Pavlenka bekam noch einiges zu tun. Er hielt Werders Sieg mit Glanzparaden fest, lenkte einen Kopfball von Benjamin Hübner in der Nachspielzeit an die Latte.  © nordphoto
Werder Bremen gegen TSG 1899 Hoffenheim
Nach 94 Minuten war dann Schluss, Nouri und seine Mannschaft durften den Einzug ins Achtelfinale bejubeln.  © Gumz

Die Szene zeigte: Werder war da, war bissig, aggressiv. Die vielbeinige Deckung räumte gegen den ersatzgeschwächten Gegner (unter anderem fehlten die Ex-Bremer Sandro Wagner und Serge Gnabry) weg, was weggeräumt werden musste. Als Referee Stieler zur Pause pfiff, blieb deshalb festzuhalten: Die Bremer – laut Sportchef Frank Baumann der „klare Außenseiter“ – gingen mit einem knappen Vorsprung in die Kabine und verlängerten ihre Mini-Serie von Halbzeiten ohne Gegentor auf vier. Nummer fünf musste folgen, um das Achtelfinale zu buchen.

Pavlenka rettet Sieg über die Zeit

Die zweite Hälfte war nur wenige Minuten alt, als Andrej Kramaric bei einem Freistoß Maß nahm, den Ball aber an die Latte jagte (52.). Das war wieder Glück für Werder, und es verstärkte sich der Eindruck, dass es das Schicksal an diesem Abend gut meinen könnte mit dem sechsfachen Pokalsieger von der Weser. Das Hochgefühl steigerte sich noch, als nach 60 Minuten Max Kruse eingewechselt wurde. Torschütze Belfodil räumte das Feld für den Torjäger der vergangenen Saison.

Mit Kruse in der Spitze sollte gekontert werden. Doch die Entlastungen wurden seltener, das Spiel entwickelte sich – je näher das Ende rückte – tatsächlich zu einer kleinen Abwehrschlacht. Aber den ganz großen Druck baute Hoffenheim nicht auf. Die letzte Chance der Gäste machte Werder-Keeper Jiri Pavlenka zunichte, als er einen Hübner-Kopfball per Glanzparade an die Latte lenkte (90.+2). Weshalb Werder nun mit einer frischen Portion Selbstvertrauen und neuem Rückenwind in das wichtige Bundesliga-Heimspiel gegen den FC Augsburg (Sonntag, 15.30 Uhr) geht. Ein weiterer Sieg würde Werder aus dem Keller helfen und Nouris Job festigen.

Einzelkritik: Pavlenkas Parade bringt Werder ins Ziel

Jiri Pavlenka: Vor der Pause fast beschäftigungslos, Beim Kramaric-Freistoß half ihm dann die Latte (52.). Ganz stark, wie er artistisch vor Uth rettete (77.). Und noch besser, wie er in der Nachspielzeit den Kopfball von Benjamin Hübner ans Aluminium lenkte. Note 1,5
Jiri Pavlenka: Vor der Pause fast beschäftigungslos, Beim Kramaric-Freistoß half ihm dann die Latte (52.). Ganz stark, wie er artistisch vor Uth rettete (77.). Und noch besser, wie er in der Nachspielzeit den Kopfball von Benjamin Hübner ans Aluminium lenkte. Note 1,5 © nordphoto
Robert Bauer: Hatte zunächst Probleme mit Zuber und dem schnellen Hack. Doch der rechte Verteidiger biss sich in die Partie und agierte danach solide. Note 3
Robert Bauer: Hatte zunächst Probleme mit Zuber und dem schnellen Hack. Doch der rechte Verteidiger biss sich in die Partie und agierte danach solide. Note 3 © imago
Niklas Moisander: Selbst unter größtem Druck oder bei einer Rudelbildung blieb der Finne ganz cool. Dirigierte geschickt die Viererkette – ein zuverlässiger Abwehrchef. Aber auch ein Glückspilz, denn seine Aktion gegen Uth hätte Elfmeter geben können (74.). Note 2,5
Niklas Moisander: Selbst unter größtem Druck oder bei einer Rudelbildung blieb der Finne ganz cool. Dirigierte geschickt die Viererkette – ein zuverlässiger Abwehrchef. Aber auch ein Glückspilz, denn seine Aktion gegen Uth hätte Elfmeter geben können (74.). Note 2,5 © nordphoto
Milos Veljkovic (r.): Durfte in der Innenverteidigung für Lamine Sane ran, der geschont wurde. Fand nicht immer den optimalen Zugriff und hatte Schwächen in der Spieleröffnung. Das wurde nach der Pause etwas besser, wenngleich er unglücklich den Latten-Freistoß von Kramaric verursachte. Note 3,5
Milos Veljkovic (r.): Durfte in der Innenverteidigung für Lamine Sane ran, der geschont wurde. Fand nicht immer den optimalen Zugriff und hatte Schwächen in der Spieleröffnung. Das wurde nach der Pause etwas besser, wenngleich er unglücklich den Latten-Freistoß von Kramaric verursachte. Note 3,5 © imago
Ulisses Garcia: Die große Überraschung in der Startelf. Als linker Verteidiger zunächst mit großen Problemen im Stellungsspiel. Im Glück, dass seine Attacke gegen Demirbay nicht mit Strafstoß geahndet wurde (15.). Im Spiel nach vorne durchaus mit überraschenden Momenten, aber auch mit einem sehr schlechten Abschluss (68.). Note 4
Ulisses Garcia: Die große Überraschung in der Startelf. Als linker Verteidiger zunächst mit großen Problemen im Stellungsspiel. Im Glück, dass seine Attacke gegen Demirbay nicht mit Strafstoß geahndet wurde (15.). Im Spiel nach vorne durchaus mit überraschenden Momenten, aber auch mit einem sehr schlechten Abschluss (68.). Note 4 © nordphoto
Theodor Gebre Selassie: Mal wieder eine neue Rolle für den Tschechen – und die füllte er im rechten Mittelfeld ganz ordentlich aus. Mit einigen netten Tricksereien und viel Kampf. Aber auch mit einem schlimmen Abspielfehler, der fast das 1:1 gebracht hätte (72.). Note 3
Theodor Gebre Selassie: Mal wieder eine neue Rolle für den Tschechen – und die füllte er im rechten Mittelfeld ganz ordentlich aus. Mit einigen netten Tricksereien und viel Kampf. Aber auch mit einem schlimmen Abspielfehler, der fast das 1:1 gebracht hätte (72.). Note 3 © nordphoto
Philipp Bargfrede (bis 63.): Der Abräumer! Machte die Mitte dicht, was gegen die schnellen Hoffenheimer und deren starke Pässe in die Tiefe nicht einfach war. Wie ein Bulle versuchte er, das Bremer Spiel nach vorne zu bringen. Dabei manchmal ein echter Dribbelkünstler. Seine frühe Auswechslung überraschte und kann eigentlich nur körperliche Gründe gehabt haben. Note 2,5
Philipp Bargfrede (bis 63.): Der Abräumer! Machte die Mitte dicht, was gegen die schnellen Hoffenheimer und deren starke Pässe in die Tiefe nicht einfach war. Wie ein Bulle versuchte er, das Bremer Spiel nach vorne zu bringen. Dabei manchmal ein echter Dribbelkünstler. Seine frühe Auswechslung überraschte und kann eigentlich nur körperliche Gründe gehabt haben. Note 2,5 © nordphoto
Thomas Delaney (bis 82.): Sein Köpfchen wird immer wichtiger für Werder. Erst verpasste er selbst das 1:0 (15.), dann bereitete er es mit seinem Schädel immerhin noch vor (31.). Neben Bargfrede ein zuverlässiger Arbeiter vor der Abwehr und ein echter Stimmungsmacher, legte sich gerne auch verbal mit dem Gegner an. Note 2,5
Thomas Delaney (bis 82.): Sein Köpfchen wird immer wichtiger für Werder. Erst verpasste er selbst das 1:0 (15.), dann bereitete er es mit seinem Schädel immerhin noch vor (31.). Neben Bargfrede ein zuverlässiger Arbeiter vor der Abwehr und ein echter Stimmungsmacher, legte sich gerne auch verbal mit dem Gegner an. Note 2,5 © nordphoto
Ludwig Augustinsson: Der linke Verteidiger im linken Mittelfeld. Musste Garcia hinten viel helfen. Nach vorne sehr bemüht, aber blieb mit seinen Flanken oft hängen. Note 3
Ludwig Augustinsson: Der linke Verteidiger im linken Mittelfeld. Musste Garcia hinten viel helfen. Nach vorne sehr bemüht, aber blieb mit seinen Flanken oft hängen. Note 3 © nordphoto
Zlatko Junuzovic: Ecke, Tor – 1:0 (31.). Er ist eben Werders Top-Vorbereiter, auch wenn es diesmal wegen Delaneys Kopf keinen Scorerpunkt gibt. Bewegte sich geschickt als hängende Spitze und harmonierte gut mit Belfodil. Note 3
Zlatko Junuzovic: Ecke, Tor – 1:0 (31.). Er ist eben Werders Top-Vorbereiter, auch wenn es diesmal wegen Delaneys Kopf keinen Scorerpunkt gibt. Bewegte sich geschickt als hängende Spitze und harmonierte gut mit Belfodil. Note 3 © nordphoto
Ishak Belfodil (60.): Der Stürmer wirkte wie ausgewechselt im Vergleich zum Köln-Spiel. Ab der ersten Minute total engagiert, setzte Junuzovic sofort stark in Szene (6.). Ließ so manchen Hoffenheimer mit seinen Tricks ziemlich alt aussehen, hielt damit als einzige Spitze auch sehr gut die Bälle. Als Belohnung gab es das 1:0, sein erstes Pflichtspieltor im Werder-Trikot (31.). Nouri nahm ihn wohl mit Blick auf Sonntag runter. Note 2
Ishak Belfodil (60.): Der Stürmer wirkte wie ausgewechselt im Vergleich zum Köln-Spiel. Ab der ersten Minute total engagiert, setzte Junuzovic sofort stark in Szene (6.). Ließ so manchen Hoffenheimer mit seinen Tricks ziemlich alt aussehen, hielt damit als einzige Spitze auch sehr gut die Bälle. Als Belohnung gab es das 1:0, sein erstes Pflichtspieltor im Werder-Trikot (31.). Nouri nahm ihn wohl mit Blick auf Sonntag runter. Note 2 © Gumz
Max Kruse (ab 60.): Konnte den starken Belfodil nicht wirklich ersetzen. Die lange Verletzungspause war ihm deutlich anzumerken. Litt auch darunter, dass seine Kollegen müde wurden. Note 4
Max Kruse (ab 60.): Konnte den starken Belfodil nicht wirklich ersetzen. Die lange Verletzungspause war ihm deutlich anzumerken. Litt auch darunter, dass seine Kollegen müde wurden. Note 4 © nordphoto
Maximilian Eggestein (ab 63.): Längst nicht so präsent wie Bargfrede. Note -
Maximilian Eggestein (ab 63.): Längst nicht so präsent wie Bargfrede. Note - © imago
Florian Kainz (ab 82.): Brachte den knappen Vorsprung mit über die Zeit. Note -
Florian Kainz (ab 82.): Brachte den knappen Vorsprung mit über die Zeit. Note - © Gumz (Archivbild)

Lest auch unseren Kommentar: Zwei Busse reichen auf Dauer nicht 

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Auch interessant

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare