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Ablenkung vom tristen Liga-Alltag: Werder-Trainer Alexander Nouri hofft im Pokal auf das lang ersehnte Erfolgserlebnis.

Werders volle Konzentration gilt Hoffenheim

Tradition verpflichtet

Bremen - Werder hatte eine gute Leistung geboten, war die bessere Mannschaft gewesen, aber kurz vor dem Pausenpfiff half das alles nichts mehr: Nach toller Vorarbeit des Ex-Bremers Dieter Schlindwein traf Frank Schulz zum 1:0 für Eintracht Frankfurt.

Es war damals, im April 1988, der Siegtreffer für die Hessen im Halbfinale des DFB-Pokals. Was an jenem Abend keiner ahnen konnte: Für die folgenden knapp 30 Jahre sollte es Werders letzte Heimniederlage im Pokal bleiben. 35 Pokalspiele am Stück haben die Bremer seit 1988 zu Hause gewonnen – Mittwochabend droht diese stolze Serie zu reißen. In der Zweitrunden-Partie gegen 1899 Hoffenheim (20.45 Uhr) „sind wir der klare Außenseiter“, sagt Sportchef Frank Baumann. Aber nicht zuletzt deswegen bietet sich den Grün-Weißen eine große Chance: Ein Erfolg wäre nicht nur eine Überraschung, sondern könnte auch der dringend benötigte Brustlöser für die Bundesliga sein.

Am Ende musste jeder Handgriff sitzen, viel Zeit blieb schließlich nicht mehr – die beiden Handwerker im Medienraum des Weserstadions ließen sich davon gestern Mittag aber nicht aus der Ruhe bringen. Kurz vor Beginn der Pressekonferenz hatten sie es dann geschafft und das Podium, auf dem wenig später Werders Sportchef Frank Baumann und Trainer Alexander Nouri Platz nehmen sollten, von Bundesliga auf DFB-Pokal umdekoriert.

Erst Hoffenheim, dann Augsburg

Dadurch wurde auch optisch deutlich, dass Werder eine Pause vom zuletzt so tristen Liga-Alltag bevorsteht: Pokal, Flutlicht – „wir wollen unseren Teil dazu beitragen, dass wir einen phantastischen Abend erleben“, sagte Nouri und ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass seine volle Konzentration dem Duell gegen Hoffenheim gilt: „Das Spiel gegen Hoffenheim ist wichtig. Es wird unsere ganze Energie und Aufmerksamkeit erfordern. Erst danach konzentrieren wir uns auf Augsburg.“

Augsburg – das ist am Sonntag Werders nächster Gegner in der Liga, und angesichts der prekären Lage in der Tabelle (Platz 17, noch kein Sieg) ist es das deutlich wichtigere Spiel für den Verein und speziell auch für Nouri, dessen Zukunft als Trainer stark vom Ergebnis abhängt. Da wäre es nachvollziehbar, wenn der Coach das Pokalspiel als eine Art Kür vor der Pflicht sehen würde – tut er aber nicht.

Baumann: „Selbstvertrauen zurückholen“

Zum einen, weil er um die lange Bremer Erfolgsserie bei Pokalspielen im Weserstadion weiß – Tradition verpflichtet nun einmal –, und zum anderen, weil die Möglichkeit besteht, den Knoten durch einen Sieg platzen zu lassen. „Das ist eine Hoffnung, die bei uns vorhanden ist“, sagte Baumann – und erklärte: „Der Druck ist nicht so groß wie in der Bundesliga. Wir hoffen, dass sich die Spieler durch gelungene Aktionen das Selbstvertrauen für die Liga zurückholen.“

Auch finanziell wäre ein Weiterkommen für Werder nicht unwichtig: 637.000 Euro gibt es für den Einzug ins Achtelfinale. Eingeplant ist das Geld zwar nicht – dafür war in den Vorjahren viel zu oft viel zu früh Schluss. „Wirtschaftlich ist der Pokal aber immer eine Chance“, betonte Baumann, der Nouri wohl auch im Falle eines Ausscheidens im Amt belassen würde. Zumindest bis Sonntag, bis zur Pflicht gegen Augsburg.

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