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Im Oktober hat eine Mauertaktik zum Erfolg über 1899 Hoffenheim geführt. Werder-Coach Florian Kohfeldt will aber nicht zum Taktik-Kopierer werden.

Rückrunden-Start gegen 1899 Hoffenheim

Kohfeldt: „Jetzt zählen nur Ergebnisse“

Bremen - Die Situation in den ersten Tagen des Jahres war ungefähr diese: Alles, was Florian Kohfeldt auf dem Trainingsplatz machte und machen ließ, wurde medial beäugt und – sehr häufig – sogar bestaunt.

Bisweilen kamen die Urteile über Kohfeldts Arbeit dabei der Grenze zur Begeisterung sehr nahe. Und der junge, neue Trainer des SV Werder wurde in der kurzen Vorbereitung auf die Bundesliga-Rückrunde nicht nur zum Wiederentwickler Bremer Fußball-Kultur, sondern auch zum großen Hoffnungsträger. Er, darauf setzen in Bremen sehr, sehr viele, wird es schon richten im Abstiegskampf. Doch Kohfeldt hat vor dem Rückrunden-Auftakt gegen 1899 Hoffenheim (Samstag, 15.30 Uhr, Weserstadion) ganz deutlich gemacht, dass ihm der Personenkult nicht wirklich lieb ist.

„Jetzt geht es nicht um Florian-Kohfeldt-Fußball“

„Jetzt geht es nicht um Florian-Kohfeldt-Fußball“, sagte eben dieser Florian Kohfeldt, „jetzt geht es um Ergebnisse, nur um Ergebnisse. Und damit geht es am Samstag los.“ Es war eine Ansage, zum Realismus zurückzukehren. Und es war eine Aussage, die unzweifelhaft eine Reaktion auf eine Entwicklung ist, die zwar gut ist für Werder, die aber auch gefährlich werden kann.

Natürlich ist es positiv, wenn einer wie Kohfeldt mit Worten und Taten neues Leben in die Mannschaft bringt. Allerdings geht das Ganze schon fast so weit, dass Kohfeldts Tun mehr Aufmerksamkeit bekommt als die Lage an sich. Und die Lage an sich ist nunmal immer noch die, dass Werder vor dem Start in die zweite Saisonhälfte bis zum Hals im Abstiegssumpf steckt. Und dem Coach des Tabellen-16. ist klar: Wenn jetzt nicht die Punkte auf das Konto wandern, spricht bald niemand mehr über seine Art, den Fußball bei Werder Bremen neu zu entwickeln.

Siege, Punkte, Fortschritt in der Tabelle – das ist das, was Team und Trainer nun brauchen. „Der erste Schritt sind Ergebnisse. Über alles andere können wir dann später sprechen“, verdeutlichte Kohfeldt. Möglicherweise ist der Satz auch ein Hinweis darauf, dass Werder gegen Hoffenheim nicht alles umsetzen wird, was im Trainingslager in Algorfa erarbeitet wurde. Speziell im Offensivspiel.

Verteidiger Ludwig Augustinsson hatte gerade noch erklärt, was die Maxime der Mannschaft für die Rückrunde sein wird. „Wir wollen die Spiele dominieren – ganz besonders zu Hause“, hatte der Schwede gesagt. Aber es darf zumindest darüber diskutiert werden, ob gegen Hoffenheim nicht eine eher abwartende Taktik die richtige Wahl wäre. So, wie in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Werder gewann dank eines Tores von Ishak Belfodil mit 1:0 gegen die Kraichgauer – nicht mal drei Monate ist das her. Damals hieß der Bremer Trainer noch Alexander Nouri, und das ermauerte 1:0 war sein letzter Sieg in dieser Funktion.

Flucht nach vorne: Kohfeldt verspricht ein flottes Spiel

Dass Nachfolger Kohfeldt die Defensiv-Taktik kopieren wird, ist im Grunde auszuschließen. Dass er gegen den Tabellensiebten aus Hoffenheim auf Teufel-komm-raus stürmen lassen wird, aber auch. „Wir können auch aus dem Sieg im Pokal etwas herausziehen. Hoffenheim hat sich gegen einen gut gestaffelten Gegner schwer getan – und es wird auch diesmal wieder Phasen geben, in denen es so aussehen wird. Auch dieses Element wird ein wichtiger Bestandteil des Spiels sein“, erklärt Kohfeldt.

Aber die Grundausrichtung wird die sein, die der Coach in Spanien hat trainieren lassen. Flucht nach vorne – das soll Kohfeldts bevorzugtes Mittel im Abstiegskampf sein. Weil Hoffenheim mit seinem noch jüngeren Trainer Julian Nagelsmann (30 Jahre zu 35 Jahre) ähnlich ausgerichtet ist, können sich die Zuschauer im noch nicht ausverkauften Weserstadion auf ein flottes Spiel freuen – verspricht jedenfalls Kohfeldt: „Ich bin sicher, dass es ein gutes Spiel wird. Da treffen zwei Mannschaften mit nicht so verschiedenen Grundgedanken aufeinander. Das wird intensiv – und es wird einige Torchancen geben.“ Von denen Werder mindestens eine mehr verwerten sollte als Hoffenheim. Denn von jetzt an zählen in Bremen nur noch Ergebnisse, Ergebnisse, Ergebnisse.

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