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Robert Bauer schaut nur zu, wie Steven Zuber das 3:0 für Hoffenheim erzielt.

Werder 3:5 gegen Hoffenheim

Spektakel der unschönen Art

Bremen - Mit einem Torspektakel ist für Werder Bremen der Sprung nach Europa wieder ein Stück unwahrscheinlicher geworden. Gegen 1899 Hoffenheim erlebte Werder Bremen am Samstagnachmittag ein böses Erwachen und verlor nach einer über weite Strecken völlig desolaten Leistung mit 3:5 (0:3).

Am Tag, an dem die Bremer ihren langjährigen Kapitän Clemens Fritz verabschiedeten, fielen sie in einen Zustand zurück, der längst überwunden schien. Werder spielte wie in der Hinrunde, als das Team in schlimmste Abstiegsnot geraten war. Nichts war zu sehen von dem Selbstvertrauen, das die Mannschaft aus der Serie von elf Spielen ohne Niederlage, die erst am Spieltag zuvor bei einem ähnlichen Torfeuerwerk mit 3:4 beim 1. FC Köln zu Ende gegangen war, getankt hatte. Und die Chance, am letzten Spieltag der Saison noch auf einen der internationalen Plätze zu klettern, ist zwar noch da, allerdings müssten schon einige Wunder geschehen, damit es für die Bremer noch klappt.

Zum Beispiel müssten sie im Saisonfinale bei Borussia Dortmund um Welten besser Fußball spielen als gegen Hoffenheim. Die Bremer Mannschaft agierte kopflos und präsentierte sich im letzten Heimspiel lange völlig von der Rolle. Nichts war zu sehen von der Klasse, die zuvor zu fünf Heimsiegen in Folge geführt hatte. Ehe sich das Team von Cheftrainer Alexander Nouri auch nur einigermaßen orientiert hatte auf dem Platz, stand es schon 2:0 für Hoffenheim. Adam Szalai (7.) und Andrej Kramaric (11.) hatten für die Gäste getroffen. In beiden Fällen wirkte die Bremer Abwehr unsortiert – allen voran Lamine Sane. Beim ersten Gegentor war er schon am Ball, ließ dennoch den Treffer zu. Und beim 0:2 sah er zu, wie sich Kramaric den Ball nach einem langen Diagonalpass zurechtlegte und trocken ins kurze Eck pfefferte.

Die Umstellung auf Viererkette bekam Werder nicht

Alle Schuld bei Sane abzuladen, wäre jedoch auch nicht richtig. Die Umstellung von Dreier- auf Viererkette, erzwungen durch die Gelbsperre von Innenverteidiger Niklas Moisander, bekam Werder überhaupt nicht. Zuordnungen? Sicherheit? Stabilität? Alles Fehlanzeige. Im Mittelfeld guckten sich Thomas Delaney, Zlatko Junuzovic und der für den Bald-Hoffenheimer Florian Grillitsch ins Team gerückte Maximilian Eggestein mehr als einmal verständnislos an. Und auf der rechten, von Robert Bauer besetzten Abwehrseite, klaffte dauerhaft ein Loch, das groß genug war, damit Hoffenheim mit der ganzen Mannschaft hätte hindurchmarschieren können. Diesen Platz nutzte Steven Zuber zum dritten Hoffenheimer Treffer - Bauer hatte ihn gewähren lassen (40.).

0:3 zur Pause – das Spiel war für die Bremer gelaufen. Auch wenn Klaus Filbry, Vorsitzender der Geschäftsführung, am Sky-Mikrofon noch auf eine Wende hoffte: „Unser Zweikampfverhalten passt nicht, das war bis hierhin keine gute Leistung. Aber vielleicht schaffen wir noch ein Unentschieden.“ Das hatte sich dann vier Minuten nach Wiederbeginn auch endgültig erledigt. Kramaric traf, von Bauer nicht gestört, zum 0:4. Und nur zwei Minuten später kam Ermin Bicakcic nach einer Ecke völlig frei zum Kopfball und stellte das Ergebnis auf 0:5.

Werder vergeigt letztes Saison-Heimspiel

Es wurde schlimmer und schlimmer für die Bremer. Dabei hatten die durchaus auf Offensive gesetzt. Serge Gnabry stand erstmals seit seinem Comeback nach Muskelverletzung in der Startelf, als dritter Stürmer funktionierte er aber nicht. Nach 54 Minuten war Schluss für den 21-Jährigen, der möglicherweise sein letztes Heimspiel in Grün und Weiß absolviert hatte. Hoffenheim soll das Werben um den Nationalspieler intensiviert haben.

Mit den Auswechslungen – Bargfrede kam für Eggestein, Santiago Garcia für Gnabry – sortierte Trainer Alexander Nouri das Bremer Team neu. Die Viererkette wurde zur Dreierkette – ob das jedoch der Grund war, dass es fortan etwas besser lief, darf diskutiert werden. Wahrscheinlicher ist, dass Hoffenheim trotz des Fernduells mit Borussia Dortmund mit fünf Toren zufrieden war. Werder kam durch Theodor Gebre Selassies fünften Saisontreffer (Kopfball nach Flanke Max Kruse) noch zum 1:5 (59.) und hatte auch in der Folge noch einige Chancen, doch zu retten war längst nichts mehr. Auch nicht nach Bargfredes Treffer zum 2:5 nach 86 Minuten und Bauers Schlusspunkt zum 3:5 (90.). Wenigstens das Ende war versöhnlich.

Europa? Nach dieser ersten Halbzeit nur Hirngespinste

Hoffenheim, der Club aus dem Kraichgau, ist nun wieder voll im Rennen um Platz drei und die damit verbundene direkte Qualifikation für die Champions League-Gruppenphase. Vor dem letzten Spieltag ist die TSG punktgleich mit Borussia Dortmund (1:1 in Augsburg), die am letzten Spieltag gegen Werder liefern muss. Derzeit liegt der BVB um vier Tore vorn. Hoffenheim muss zum Ausklang gegen den FC Augsburg ran.

Und Werder? Die Bremer sind mit 45 Punkten weiter in Reichweite zu den Europa-League-Rängen, können noch den SC Freiburg (48 Punkte, Samstag gegen Bayern München) abfangen. Oder den 1. FC Köln (46, Samstag zu Hause gegen Mainz) von Rang sieben verdrängen. Doch nach der in der ersten Halbzeit gezeigten Leistung sind das bei einem Gegner wie Dortmund nur Hirngespinste.

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