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Werder-Trainer Alexander Nouri (l.) und Julian Nagelsmann von 1899 Hoffenheim kennen sich gut, sind am Samstag aber Rivalen.

Es geht um Europa

Große Gefühle, knallharter Kampf

Bremen - Das letzte Werder-Heimspiel der Saison bietet nochmal alles: Große Gefühle beim Abschied der Stars - aber auch einen knallharten Kampf um Europa gegen die TSG Hoffenheim.

Der Spieltag wird sentimental – erstmal. Vor dem Anpfiff der Partie gegen 1899 Hoffenheim regieren am Samstag im Weserstadion die großen Gefühle. Clemens Fritz, der langjährige Kapitän, wird vor dem letzten Heimspiel der Saison in den Fußballer-Ruhestand verabschiedet. Auch Florian Grillitsch (nach Hoffenheim) und Santiago Garcia (Ziel unbekannt) verlassen den Club. Blumen und Präsente werden überreicht, Applaus wird erklingen, vielleicht fließen ein paar Tränen. Aber wenn all das wenige Minuten vor dem Anpfiff abgeschlossen ist, dann wird es knallhart. Werder Bremen trifft auf 1899 Hoffenheim – es ist für beide Teams ein Kampf um Europa. Und zwar einer auf Biegen und Brechen.

Die Bremer Fans haben das Team am Freitag schon darauf eingestimmt – auf ihre Art. Vor einem Stadiontor platzierten sie ein großes Banner. Aufschrift: „Geiler Fight Freitag – Jetzt durchbeißen bis Europa.“ Ein klarer Auftrag an die Mannschaft, nach dem 3:4 beim 1. FC Köln nicht aufzustecken. Und Werder braucht am Samstag den Sieg, um sich eine reelle Chance auf den direkten Einzug in die Europa League zu erhalten.

Hoffenheim hat als Vierter zwar schon die Playoffs zur Champions-League-Gruppenphase sicher, kann aber auch noch Dritter werden und damit sicher in die Königsklasse einziehen. Voraussetzung: ein Sieg in Bremen. Es ist eine Konstellation, die Werder-Coach Alexander Nouri begeistert: „Beide wollen unbedingt gewinnen, das wird auch auf dem Platz zu sehen sein. Beide werden offensiv ausgerichtet sein.“

Dass die Teams am Samstag ein Angriffsfeuerwerk abbrennen werden, hält Julian Nagelsmann allerdings für eher unwahrscheinlich. Der Hoffenheim-Coach, mit Nouri wegen der gemeinsam absolvierten Ausbildung zum Fußball-Lehrer bestens bekannt, glaubt nicht an einen grün-weißen Sturmlauf im Weserstadion. „Bremen wird uns nicht 90 Minuten lang an die Wand pressen. Sie werden versuchen, gut strukturiert in der Defensive zu stehen, um dann über ihre schnellen Spitzen umzuschalten.“

Mit einem großen Banner haben die Fans die Werder-Profis schon am Freitag auf das Hoffenheim-Spiel eingestimmt.

Eine besonders umfangreiche Analyse wird nicht dazu gehört haben, um das herauszufinden. Denn mit eben diesen Mitteln hat Werder von den vergangenen zwölf Spielen neun gewonnen, ist so zum drittbesten Team der Rückrunde geworden und liegt in dieser speziellen Tabelle sogar einen Platz vor Hoffenheim. „Dritter gegen Vierter – das wird ein Top-Spiel“, schwärmt Alexander Nouri.

In jedem Fall ist Spannung garantiert. Nicht nur wegen der doppelten Europa-Brisanz, sondern auch schon die Bremer Aufstellung betreffend. Denn wenn Nouri es ernst meint mit der Angriffstaktik, müsste er eigentlich wieder Serge Gnabry von Beginn an bringen. Zuletzt hatte es der 21-Jährige, der bei Hoffenheim auf dem Einkaufszettel für die kommende Saison steht, viermal in Folge nicht in die Startelf geschafft. Doch Nouri könnte auf den Ausfall von Innenverteidiger Niklas Moisander mit einer Veränderung des Systems reagieren – vom 3-5-2 zum 4-2-3-1. Gnabry wäre dann wieder gefragt – auf der Außenbahn.

Klar ist: Die Bremer Elf muss punkten, um im heißen Rennen um die Europa League nicht abgehängt zu werden. Außerdem: Spielt Werder gegen Hoffenheim mindestens Remis und siegt Borussia Dortmund zeitgleich beim FC Augsburg, wäre das Rennen um Platz drei schon entschieden. Der BVB wäre sicher für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert, hätte am letzten Spieltag folglich keinen Druck mehr. Davon könnte Werder profitieren.

Zugegeben: Der Konjunktiv regiert in diesem Modell. Werder-Sportchef Frank Baumann geht ohnehin davon aus, dass zwei eigene Siege nötig sind, um von den vor den Bremer liegenden Teams aus Köln, Berlin und Freiburg am besten noch zwei zu überholen. Dann wäre die Europa League sicher gebucht. Baumann: „Wir sind der Herausforderer. Wir müssen auf Ausrutscher der Konkurrenten hoffen.“

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