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Bei Werder Bremen herrschte nach dem Sieg gegen den VfB Stuttgart große Erleichterung.

Werder gewinnt 1:0 gegen VfB Stuttgart

Arbeitssieg mit Ausbaupotenzial

Bremen - Mit 35 Jahren gehört Florian Kohfeldt zu den jüngsten Trainern in der Bundesliga, doch solche Spiele wie am Samstag dürften den Werder-Coach schnell älter werden lassen – so nervenaufreibend war der 1:0 (1:0)-Heimsieg gegen den VfB Stuttgart.

Doch Kohfeldt hatte vorgebeugt: „Gegen das Altern soll man sich viel bewegen, das habe ich gemacht.“ Der kleine Scherz nach dem so wichtigen Erfolg im Abstiegskampf verdeutlichte: Kohfeldt musste seiner Mannschaft von außen noch mehr helfen als sonst, es war ein echter Arbeitssieg, für den Max Kruse mit seinem Tor (45.) die Grundlage geschaffen hatte.

„Nach dem Spiel in Leipzig haben wir viel Lob für unsere Leistung bekommen, hatten aber keine Punkte“, erinnerte sich Philipp Bargfrede und war diesmal viel zufriedener: „Für uns zählen nur Punkte. Die haben wir heute geholt, egal wie.“ Auch Kohfeldt war mit der spielerischen Leistung nicht so glücklich, vermisste „unser Positionsspiel“.

Aber er wollte das nicht als Kritik verstanden wissen, sondern sah darin eher den Fluch der guten Tat: „Wir wollten uns gegenseitig unbedingt helfen und waren dann alle oft sehr ballnah. Etwas Besseres kann sich ja ein Trainer kaum wünschen. Aber wir brauchen in diesen Momenten auch die Coolness, ballfern und damit anspielbereit zu sein.“

Und dann war da auch noch dieser unangenehme Gegner: Der VfB Stuttgart jagte die Bremer quasi per Manndeckung über den gesamten Platz. Das bot zwar durchaus Räume, aber den Gastgebern fehlte diesmal die Überzeugung und Sicherheit, diese Räume auch durch mutige Anspiele zu finden. Und gelang es trotzdem mal, folgte meistens eine unsaubere Aktion. „Wir haben heute mit Ball nicht so gut gespielt wie zuletzt“, gestand Maximilian Eggestein.

Werder und die Schlüsselmomente

So sahen die 41.500 Zuschauer im ausverkauften Weserstadion eine zerfahrene, aber extrem intensive Partie. Große Chancen gab es nur wenige. Fin Bartels köpfte knapp vorbei (8.), Stuttgarts Takuma Asano wurde gerade noch von Eggestein am sicheren 1:0 gehindert (22.). „Ein Schlüsselmoment“, wie Kohfeldt befand. Eggestein hatte nach einem zu schwachen Pass von Keeper Jiri Pavlenka sofort geschaltet und dabei sogar einen Strafstoß riskiert. „Da hatte ich schon etwas Angst“, gestand Eggestein. Und sein Trainer lobte: „Wir waren einfach bereit, es zu reparieren, wenn etwas nicht geklappt hat. Diese Szene kann man durchaus symbolisch für dieses Spiel nehmen.“

Kohfeldt zog nur wenig später am Spielfeldrand seine Jacke aus, um seine Mannschaft noch besser antreiben zu können. Die ließ sich nämlich zu oft nach hinten fallen. Das Antreiben lohnte sich. Kurz vor der Pause nahm sich Bartels ein Herz, fiel zwar hin, bekam dafür aber einen unberechtigten Freistoß. Den nutzte er mit einem Geistesblitz umgehend zur Vorlage für Max Kruse, der eiskalt zum 1:0 vollstreckte (45.). Auch das war für Kohfeldt einer dieser Schlüsselmomente. Man bekomme in so einem schwierigen Spiel nicht viele Momente, „aber die musst du für dich nutzen. Und wir haben das Vertrauen, dass diese Momente kommen“, meinte der Coach.

Einzelkritik: Bärenstarker Moisander, cooler Kruse

Jiri Pavlenka
Jiri Pavlenka: Wirkte mit dem Ball am Fuß etwas unsicher, schenkte dabei Stuttgarts Asano eine Riesenchance (22.). Tore verhindern kann er besser, mutig beim Rauslaufen gegen Insua, schnell am Boden beim Schuss von Badstuber (84.). Note 3 © nordphoto
Theodor Gebre Selassie
Theodor Gebre Selassie: Sehr unauffällig auf der rechten Seite, konzentrierte sich vornehmlich auf seine Abwehrarbeit. Note 3,5 © Gumz
Milos Veljkovic
Milos Veljkovic: Wirkte in der Defensive sehr stabil, traute sich auch in schwierigen Situation, den Ball anzunehmen. Nur im Spielaufbau mit leichten Problemen. Note 2,5 © nordphoto
Niklas Moisander
Niklas Moisander: Bärenstarker Abwehrchef. Löste viele knifflige Momente mit seiner Cleverness, notfalls auch mit einem Foul. Note 2 © nordphoto
Ludwig Augustinsson
Ludwig Augustinsson: Auffälliger als auf der anderen Seite Theo und dabei mit einer sehr guten Zweikampfquote (78 Prozent). Der Schwede darf sich aber gerne noch etwas mehr zutrauen. Note 3 © nordphoto
Philipp Bargfrede
Philipp Bargfrede (bis 74.): Philipp der Eroberer - und zwar der Balleroberer. Verhinderte mit dem Oberschenkel das 1:1 (64.). Starker Sechser vor der Abwehr, der auch mal durchstartete. Allerdings lenkte er das Spiel etwas zu wenig. Note 2,5 © nordphoto
Maximilian Eggestein
Maximilian Eggestein (bis 89.): Der Duracell-Hase lief unglaubliche 13,09 Kilometer, so viel wie kein anderer Spieler auf dem Platz. Sehr präsent, immer anspielbereit, aber er gewann nur jeden vierten Zweikampf. Note 2,5 © nordphoto
Thomas Delaney
Thomas Delaney: Wieder in der Doppelrolle als Achter (offensiv) und als zweiter Stürmer (defensiv). Kämpferisch ein absolutes Vorbild, aber der Däne wirkte oft zu hektisch, brachte zu selten Struktur und Ruhe ins Bremer Spiel. Note 3 © Gumz
Fin Bartels
Fin Bartels (bis 84.): Ein Wirbelwind, der es auch schon mal mit der gesamten VfB-Abwehr aufnahm. Anfänglich etwas glücklos, dann mutig und hellwach bei der Vorarbeit zum 1:0. Note 2,5 © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Zlatko Junuzovic: Fast so viel unterwegs wie Eggestein, aber der letzte Pass ging häufig daneben. Auch sein Freistoß-Versuch war schwach (35.). Der Kapitän gab aber nicht auf, kämpfte bis zum Schluss für den Sieg. Note 3,5 © dpa
Max Kruse
Max Kruse: Mal wieder Matchwinner! Machte ganz cool das 1:0 (45.). Bis dahin gar nicht so auffällig, weil die ganz großen Szenen fehlten. Dafür zwei üble Fehlpässe in der eigenen Hälfte. Aber seine 77 Ballkontakte waren der Bestwert im Bremer Team. Note 2 © Gumz
Lamine Sane
Lamine Sane (ab 74.): Der Innenverteidiger kam, um aus der Vierer- eine Dreierkette zu machen. War nur vier Mal am Ball, aber ein wichtiger Faktor in der kniffligen Schlussphase. Note - © Gumz
Florian Kainz
Florian Kainz (ab 84.): Löste Bartels ab, war ebenfalls schnell unterwegs, für einen erfolgreichen Konter reichte es aber nicht. Note - © nordphoto
Jerome Gondorf
Jerome Gondorf (ab 89.): Lief noch 800 Meter, um den knappen Vorsprung zu verteidigen. Note - © Gumz

Nach der Pause wäre die Partie wohl schnell entschieden gewesen, wenn Bartels’ 2:0 gezählt hätte (52.). Doch der Video-Assistent in Köln hatte den Torschützen im Abseits gesehen und Schiedsrichter Bastian Dankert informiert. Der entschied nach Torjubel, Torfanfare und einer kleinen Ewigkeit auf Nicht-Tor – dafür gab es fast zwangsläufig Pfiffe von den Rängen.

Die Werder-Profis schalteten dagegen sofort wieder in den Arbeitsmodus. Das war auch bitter nötig, denn Stuttgart wurde immer offensiver. Josip Brekalos Schuss war schon an Pavlenka vorbei und auf dem Weg ins Netz, doch Bargfredes Oberschenkel kam irgendwie dazwischen. „Danke, dass das noch geklappt hat“, meinte der Retter und zog symbolisch seinen Hut.

Kohfeldt will auch in Dortmund punkten

In der Schlussphase tauchte dann sogar VfB-Abwehrchef Holger Badstuber nur noch im Strafraum der Gastgeber auf – und köpfte aus kurzer Distanz ganz knapp drüber (88.). Wenig später war Schluss und die Erleichterung bei Werder riesengroß. Denn diese drei Zähler bringen das Team zwar nicht weg vom vorletzten Tabellenplatz, aber wieder in Reichweite der Nicht-Abstiegsränge. Da lässt es sich am Sonntag etwas entspannter mit den Fan-Clubs Weihnachten feiern.

Ein Thema wird dabei sicherlich auch das Restprogramm sein. Weiter geht es nämlich mit den beiden Auswärtsspielen gegen die Topteams aus Dortmund und Leverkusen. Doch nach seinem zweiten Sieg im vierten Spiel als Chefcoach ist Kohfeldt vor diesen Aufgaben nicht bange: „Wir können auch da punkten.“

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Werder Bremen gegen VfB Stuttgart
Nach dem 4:0-Heimsieg gegen Hannover 96 wollte Werder im Weserstadion gegen Aufsteiger VfB Stuttgart den zweien Saisonsieg einfahren. © nordphoto
Werder Bremen gegen VfB Stuttgart
Das Geschehen der ersten Hälfte spielte sich weitgehend im Mittelfeld ab, echte Chancen gab es wenige. Die Gäste hatten etwas mehr vom Spiel... © nordphoto
Werder Bremen gegen VfB Stuttgart
... und die erste Großchance, weil Werder-Torwart Jiri Pavlenka sich einen ganz dicken Klops leistete. Ein Pass auf Maximilian Eggestein... © nordphoto
Werder Bremen gegen VfB Stuttgart
... war viel zu kurz. Takuma Asano preschte dazwischen, ging aufs Bremer Tor zu - und konnte von Eggestein nur noch behindert werden, weil der Angreifer zu zögerlich agierte. Der Ball kullerte am Tor vorbei. © nordphoto
Werder Bremen gegen VfB Stuttgart
Kurz vor der Pause schlug Werder zu. Fin Bartels holte einen Freistoß - der wohl keiner war - heraus, führte ihn blitzschnell aus und fand... © nordphoto
Werder Bremen gegen VfB Stuttgart
... Max Kruse. Der enteilte Verteidiger Holger Badstuber und überwand Torwart Ron-Robert Zieler mit einem Flachschuss ins lange Eck (45.). © Gumz
Werder Bremen gegen VfB Stuttgart
Großer Jubel bei Werder: Die Bremer führten zur Pause 1:0 gegen den VfB Stuttgart. © nordphoto
Werder Bremen gegen VfB Stuttgart
Kurz nach der Pause erhöhte Fin Bartels aus kurzer Distanz auf 2:0 für Werder... © nordphoto
Werder Bremen gegen VfB Stuttgart
... doch nach Videobeweis entschied Schiedsrichter Bastian Dankert (r.): kein Tor! Bartels stand hauchdünn im Abseits (52.). © dpa
Werder Bremen gegen VfB Stuttgart
Danach hatten beide Mannschaften noch gute Chancen - es blieb aber beim 1:0. © nordphoto
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