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Enis Bytyqi trifft am Samstag mit den Würzburg Kickers auf seinen Ex-Club Werder Bremen.

Neu-Würzburger über das Pokalspiel gegen seinen Ex-Verein Werder

Bytyqi: „Es muss ja nicht eskalieren“

Würzburg - Er ist erst seit ein paar Wochen weg, aber Werder lässt Enis Bytyqi trotzdem nicht los.

Am Samstag tritt der Stürmer des Drittligisten Würzburger Kickers in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen seinen Ex-Verein an - es ist bereits das zweite Aufeinandertreffen mit den Bremern, seit Bytyqi Werders U23 in der Sommerpause verlassen hat. Im Interview spricht der 20-Jährige über die Würzburger Chancen aufs Weiterkommen und verrät, dass er bei einem Tor nicht aufs Jubeln verzichten würde.

Herr Bytyqi, nach Ihrem Wechsel zu den Würzburger Kickers spielen Sie nun schon das zweite Mal gegen Ihren Ex-Verein Werder. Erst gegen die U23 in der Dritten Liga, nun gegen die Profis im DFB-Pokal. Schon kurios, oder?

Enis Bytyqi: Ja, total. Beim ersten Mal dachte ich mir schon: Das ist eine tolle Geschichte, die Jungs so früh schon wiederzusehen. Als ich dann das Pokal-Los gesehen habe, war die Freude doppelt so groß. Es ist etwas Besonderes, zweimal binnen so kurzer Zeit gegen den alten Verein zu spielen. Ich freue mich sehr darauf.

Nun sind die Bremer seit 2011 gleich vier Mal an einem Drittligisten in der ersten Pokalrunde gescheitert. Ist Werder für Würzburg ein Traumlos?

Bytyqi: Was den Gegner angeht, sicherlich. Werder hat Tradition, ist ein namhafter Verein, der aus der ersten Liga nicht wegzudenken ist. Klar ist für uns aber auch, dass sportlich die Rollen klar verteilt sind. Ich war ja drei Jahre in Bremen und habe die Pokalspiele miterlebt, auch wenn ich nicht auf dem Platz stand. Manchmal ist es trotz der klaren Papierform eben schwer gegen unterklassige Mannschaften. Unser Ziel ist es, ein super Spiel zu machen. Nur so haben wir überhaupt die Chance auf eine Überraschung. Da muss unterm Strich alles passen.

Wie groß sind denn die Würzburger Chancen aufs Weiterkommen?

Bytyqi: Wie gesagt: Werder ist der Favorit, aber im Pokal gibt es regelmäßig Überraschungen. Das hat man in den letzten Jahren immer wieder gesehen. Alles ist möglich. Wir sind mit dem Los sehr zufrieden und werden alles dafür geben, weiterzukommen.

Wo hat Werder denn Schwächen. Sie kennen die Mannschaft ja ziemlich gut.

Bytyqi: Das ist eine gute Frage. Unser Trainer (Stephan Schmidt, Anm. d. Red.) wird sich bestimmt etwas einfallen lassen.

Hat er Sie denn schon nach Insider-Infos gefragt?

Bytyqi: Das wird definitiv noch kommen, aber ich will jetzt nicht zu viel vorab verraten. Dann wären es ja keine Insider-Infos mehr.

Wie eng ist Ihr Kontakt zu Spielern aus dem Bremer Profi-Kader? Ihre alten Teamkollegen Jesper Verlaat und Niklas Schmidt sind vor der Saison fest aufgerückt.

Bytyqi: Den ein oder anderen kenne ich natürlich. Mit Jesper und Niklas habe ich tatsächlich den meisten Kontakt, aber auch Milos (Veljkovic, Anm. d. Red.), Jojo und Maxi (Eggestein, Anm. d. Red.) und Uli (Garcia, Anm. d. Red.) haben schon bei uns in der U23 gespielt, sodass ich sie gut kenne.

Gingen denn vor dem Pokalspiel schon Nachrichten mit Kampfansagen hin und her?

Bytyqi: (lacht) Wir sprechen schon darüber und schreiben uns, aber Kampfansagen waren bisher nicht dabei. Die gibt es erst kurz vor dem Spiel. Vielleicht gibt es vor dem Rausgehen im Spielertunnel einen Spruch.

Enis Bytyqi spielte von 2015-2017 bei der U23 von Werder Bremen

Wenn Sie ein Tor gegen Werder erzielen – würden Sie dann jubeln?

Bytyqi: (lacht) Ich sage es mal so: Wenn ich in der 90. Minute das entscheidende Tor mache, dann wird gejubelt, dann kann ich meine Emotionen garantiert nicht zurückhalten. Feiern ist ja auch nicht verboten, aber es muss ja nicht gleich eskalieren. Werder war drei Jahre lang ein Teil von mir.

Das Spiel wird in Offenbach ausgetragen, weil es in Würzburg einen Lärmschutz-Streit mit Anwohnern gibt. Ein großer Nachteil für Ihre Mannschaft?

Bytyqi: Es ist natürlich sehr schade, weil es für die Stadt eine tolle Sache gewesen wäre. Auf der anderen Seite ist es aber nur ein Spiel, und spielen kann man überall. Es gibt zwei Mannschaften, den Ball, und dann geht's los. Ich glaube nicht, dass uns die Verlegung irgendwie beeinflussen wird. Einige unserer Fans werden uns ja auch nach Offenbach begleiten.

Erst in der zweiten, nun auch in der dritten Liga ist Ihre Mannschaft im Kalenderjahr 2017 noch immer ohne Sieg. Wieso läuft es sportlich noch nicht rund?

Bytyqi: Wir machen gute Spiele, wir haben die Qualität, aber was uns in den letzten Wochen gefehlt hat, ist die Effektivität im Abschluss und dieses letzte Quäntchen Glück. Wir treffen alles – Pfosten, Latte, nur das Tor noch zu selten. Deswegen arbeiten wir tagtäglich sehr hart an uns.

Sind Sie eigentlich überrascht, wie gut Werders U23 in die Saison gestartet ist?

Bytyqi: Letztes Jahr haben wir den Start verpennt und sind dann gegen Ende der Hinserie besser geworden. Dieses Jahr ist es offenkundig ganz anders, was für Werder natürlich optimal ist. Florian Kohfeldt (Werders Trainer, Anm. d. Red.) war schon immer ein Trainer, der viel Wert auf das Spielerische legt. Der Erfolg bestätigt gerade seine gute Arbeit.

Seit einigen Wochen leben Sie nun in Würzburg, in der dritten Liga haben Sie auch schon für die Kickers getroffen. War der Wechsel die richtige Entscheidung?

Bytyqi: Ich bin mit dem Schritt definitiv zufrieden und habe es mir auch gut überlegt. Ich habe mir alle Möglichkeiten angeschaut, und da kam Würzburg für mich in Frage. Bisher sieht es ja nicht schlecht aus. Mein erstes Tor hat mich sehr gefreut. Als Stürmer ist es wichtig, dass man trifft.

Warum haben Sie sich denn für Würzburg entschieden?

Bytyqi: Werder war zwar interessiert, den Vertrag mit mir zu verlängern, aber ich habe mich dafür entschieden, ein neues Kapitel aufzuschlagen, einen neuen Weg zu gehen. Dann war ich mit der Nationalmannschaft unterwegs, und als ich zurückgekommen bin, hat mir mein Berater die Kickers vorgeschlagen. Da stand Stephan Schmidt schon als Trainer fest. Er kannte mich noch aus Jugendzeiten, weil er damals Trainer bei Hertha und Wolfsburg war und ich in Magdeburg gespielt habe. Ich habe mir die Stadt angeschaut und dachte mir: In Würzburg lässt es sich auf jeden Fall gut leben und die sportlichen Perspektiven passen.

Lukas Fröde ist auch von Werder zu Würzburg gewechselt, inzwischen allerdings nach Duisburg weitergezogen. Haben Sie sich bei ihm vor dem Wechsel über die Kickers informiert?

Bytyqi: Vorher nicht, aber Lukas hat mir hinterher direkt geschrieben und mir zum Wechsel gratuliert. Das war noch einmal eine schöne Bestätigung für mich.

Was die Liga betrifft, sind Sie durch Ihren Wechsel nicht aufgestiegen. Wie groß ist Ihr Traum von der Bundesliga?

Bytyqi: Ich bin 20 Jahre alt, also noch sehr jung. Es wäre sehr traurig, wenn ich jetzt schon sagen würde, dass ich das Maximum erreicht habe. Ich weiß, dass definitiv noch mehr gehen kann. Mir ist bewusst, dass der Fußball ein schnelllebiges Geschäft ist, es bringt nicht viel, zu weit vorauszublicken.

Was bedeutet es Ihnen, für den Kosovo aufzulaufen?

Bytyqi: Meine ersten Länderspielerfahrungen habe ich in der U15 und U18 von Deutschland gemacht. Über die Jahre bin ich dann aber zurückgefallen, auch durch eine Verletzung. Dann war ich raus. Der kosovarische Verband kam auf mich zu. Wir spielen jetzt in der U21-EM-Qualifikation gegen Deutschland in Osnabrück. Das wird etwas ganz Besonderes. Der Kosovo ist mein Vaterland. Dafür möchte ich alles geben.

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