Aus dem Archiv

Triumphaler Empfang für Meister Werder Bremen

So berichtete die Kreiszeitung, damals Allgemeiner Kreis-Anzeiger - Syker Tageblatt, am Dienstag, 18. Mai 1965, auf einer Sonderseite über die Meisterfeier bei Werder Bremen.

Der 17. Mai 1965 wird als ein Feiertag der Freude, des Jubels und der Begeisterung in die Geschichte der alten Hansestadt Bremen eingehen. Schätzungsweise 100 000 Menschen säumten trotz Nieselregens die Straßen der Innenstadt, um der Fußballmannschaft des Sportvereins Werder nach der Erringung der Deutschen Meisterschaft einen wahrhaft triumphalen Empfang zu bereiten.

Grün-weiße Fahnen, die bekannten Schlachtrufe und Sprechchöre, das Konzert aller möglichen Blasinstrumente, ballernde Feuerwerkskörper, ein Meer von Regenschirmen beherrschten das lebensprühende Straßenbild. Es war ein würdiger, ein großer Empfang, wie ihn die Hansestadt Bremen in ihrer tausendjährigen glanzvollen Vergangenheit noch nicht erlebt hat.

Schon eine gute Stunde vor dem Eintreffen des Schnellzuges war der Innenraum des Bahnhofsgebäudes gefüllt mit einer erwartungsvoll gestimmten Menschenmenge, die von Minute zu Minute stärker wurde, bis es kein Vor und Zurück mehr gab. Auf dem Vorplatz und den für die Triumph-Fahrt vorgesehenen Straßen bildeten sich mehrgliedrige Menschenschlangen. Es herrschte eine turbulente Stimmung, die sich kaum beschreiben lässt.

Aus den Fenstern der anliegenden Häuser wehten Fahnen in den Vereinsfarben des ruhmreichen Fußballklubs, rieselte ein Konfettiregen, zappelten Papierschlangen zur Erde. Fußball-Lieder wurden angestimmt und kräftig mitgesungen. SVW, SVW und „Zick-Zack-Matischak“-Sprechchöre versuchten sich in Lautstärke zu übertreffen – jeder Mauervorsprung, Fenstersims, selbst Dächer flachgeschossiger Gebäude, Fahnenstangen, Leuchtmasten, Telefonzellen und Ampeln wurden erklettert, um bessere Sicht zu bekommen.

Pünktlich lief der Schnellzug ein, der von einer geschmückten Lokomotive gezogen die Werder-Mannschaft von ihrem dreitägigen Aufenthalt aus Süddeutschland zurückbrachte. Als die Spieler und Begleiter freudestrahlend den geschmückten Sonderwagen verließen, ahnten sie noch nicht, was sie in ihrer Heimatstadt erwartete. Mit Mühe nur und Ellbogengewalt konnten sie den Ausgang des Bahnhofs finden. Als sie endlich den Vorplatz erreichten, ging die schneidige Marschmusik der Polizei-Kapelle in dem ersten Jubelruf der begeisterten Menge unter.

Nach kurzer Begrüßung wurden die bereitstehenden pferdebespannten Wagen bestiegen, die sich unter den ständig gesteigerten Jubelrufen – voran die fleißige Kapelle und einige Reiter – durch die Innenstadt bewegten. Der Verkehr war in dieser halben Stunde restlos blockiert, Straßenbahnen, Busse und Autos in der Menge eingekeilt. Die Polizisten bemühten sich vergeblich, dieses heillose Durcheinander zu entwirren. Es löste sich aber schnell, als der Festzug in andre Straßenzüge einbog.

Vor dem Rathaus sammelte sich noch einmal eine unübersehbare Menschenmenge. Wieder wirbelten Rufe, Lieder, Sprechchöre und Pfiffe durcheinander. Mannschaftskapitän „Pico“ Schütz musste sich zeigen und die „Viktoria“ über den Kopf schwingen, jene im Fußball-Jargon als „Salatschüssel“ bezeichnete Trophäe, die jedes Jahr der Deutsche Fußballmeister als Ausdruck seiner hohen Würde erhält. Nur langsam verlief sich die Menge, während die Spieler und Vereinsvertreter in den Rathaus-Kaminsaal gingen, wo ihnen der Senat als Landesregierung einen ebenfalls würdigen Empfang bereitete.

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Auch interessant

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare