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Werders Claudio Pizarro, damals 21 Jahre jung, erzielte das 4:0 gegen Olympique Lyon.

Das vierte Wunder von der Weser

4:0 gegen Olympique Lyon 1999: Sahnetag vor kleinem Publikum

Von Henning Harlacher. Durch den Pokalsieg 1999 hatte sich Werder für den UEFA-Cup qualifiziert. Obwohl die Erwartungen an der Weser nicht allzu hoch waren, sorgten die Grün-Weißen vor allem gegen den französischen Verein Olympique Lyon für offene Münder.

Bei Werder war wieder die Hoffnung auf bessere Zeiten aufgekeimt. Der Sieg im DFB-Pokalfinale gegen den großen FC Bayern unter dem neuen Trainer Thomas Schaaf ließ ganz Bremen träumen. Wenige Jahre zuvor hatten die Grün-Weißen schließlich noch zur Elite der Bundesliga gehört, und genau dort wollte der Fast-Absteiger von 1999 wieder hin.

Nach Schaafs erster kompletter Saison als Cheftrainer belegte der SVW 1999/2000 einen wenig ruhmreichen neunten Platz. Dafür hatte Werder jedoch erneut das Pokalfinale in Berlin erreicht und auch international für Aufsehen gesorgt. Das Comeback im Rückspiel der dritten Runde des UEFA-Cups gegen Olympique Lyon am 7. Dezember 1999 reihte sich in die Liste der „Wunder von der Weser“ ein.

Nur 9.559 Zuschauer erleben entfesselte Offensivreihe

Nach einer deftigen 0:3-Packung im Hinspiel kamen lediglich 9.559 Zuschauer ins Weserstadion. Nicht nur Werders bisherigen Auftritte in der Bundesliga, sondern auch die Partien im UEFA-Cup waren bis dato sehr schwerfällig über die Bühne gegangen. Die wenigen Fans, die sich das Spiel dennoch live ansehen wollten, wurden allerdings mehr als belohnt: Sie sollten einen wahren Sahnetag ihrer Mannschaft erleben.

Dass es Wunder immer wieder gibt, wusste zwar bereits Katja Ebstein im Jahr 1970, dass sie allerdings so häufig an der Weser passieren, dürfte auch die Sängerin nicht auf dem Zettel gehabt. Am 7. Dezember 1999 war es erneut soweit. Thomas Schaaf hatte sein Team bis in die Haarspitzen motiviert. Bereits beim Anstoß von Lyon ging die Offensivreihe um Ailton, Claudio Pizarro, Marco Bode und Andreas Herzog wild entschlossen drauf.

Gestatten? Claudio Pizarro!

Nach einer Viertelstunde schlenzte Bode den Ball aus einem scheinbar unmöglichen Winkel über Lyons Torhüter Gregory Coupet zur 1:0-Führung ins Tor. Danach drückten die Grün-Weißen umso mehr. Lyon war an diesem Abend gegen den Einsatzwillen der Norddeutschen machtlos. Der nächste Treffer gelang der Schaaf-Elf allerdings erst in der 39. Minute: Nachdem Torsten Frings im Sechzehner von den Socken geholt worden war, traf Herzog per Elfmeter zum 2:0.

In der zweiten Halbzeit schmiss sich Frank Baumann in einen Herzog-Freistoß und bekam gerade noch so die Fußspitzen an den Ball, der sich über Coupet hinweg ins Tor senkte – 3:0 (54.). Lyon gab sich allerdings nicht auf und kam zu Chancen. Ein Auswärtstor, und die Bremer hätten zwei Treffer mehr erzielen müssen. Den Genickbruch für die Gäste gab es dann aber in der 77. Minute: Ailton lief bei einem Konter fast über den gesamten Platz und hatte kurz vor dem Tor das Auge für den besser postierten jungen Kollegen Claudio Pizarro, der das 4:0 markierte. Das vierte „Wunder von der Weser“ – es war damit perfekt.

Aufstellung:

Tor: Frank Rost

Abwehr: Frank Baumann, Julio Cesar, Razundara Tjikuzu, Bernhard Trares

Mittelfeld: Dieter Eilts, Torsten Frings, Andreas Herzog (90. Andree Wiedener)

Sturm: Ailton, Marco Bode, Claudio Pizarro

Trainer: Thomas Schaaf

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Das dritte Wunder von der Weser: 5:3 gegen RSC Anderlecht 1993

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